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Rezension: Die Seele Indiens

Diesen traumhaften Bildband hat der Fotograf Jean Baptiste Rabouan realisiert, der seit über 20 Jahren als Fotograf und Autor Indien und den Himalaja bereist. Nicht nur die Fotos, sondern auch die aufschlussreichen Texte stammen von Rabouan. Weil er die indische Kultur besser verstehen wollte, hat er Hindi erlernt und kommuniziert stets aufs Neue mit der dortigen Bevölkerung. Dabei gilt sein besonders Interesse ethnologischen, mystischen und religiösen Fragen.

Für den Autor ist Indien ein Land der Initiation, des Lernens und der Erkenntnis. Jeder Weg sei dort ein Neubeginn, jede Handlung rituell und jedes Schicksal sei Karma. Das höchste Ziel ist für die Inder die spirituelle Erlösung, denn dann hat man sein Ego hinter sich gelassen.

Für Rabouan kam es bei seinen Reisen stets auf Anpassung an. Damit meint er Anpassung an Frühlingshitze, Himalajakälte, an die Schärfe der Gewürze, die Insektenschwärme, an ein sinnliches und extremes Bild der Farben, Töne und Gerüche und an eine Fülle aus freundlichen und unheimlichen, begeisterten oder aggressiven Begegnungen, jedoch niemals belanglosen Begegnungen, (vgl.:S.6).

Die Bilderfülle wird von Texten mit nachstehenden Überschriften unterbrochen:
-Ein Tag in Indien
-5000 Jahre Geschichte auf dem Gepäckträger
-Die Hierarchie des Chaos
-Das sechste Jahrtausend
-Von einem Leben ins nächste
-Die große Gelassenheit

Diese jeweils zwei Seiten umfassenden Texte empfehle ich zu lesen, um mehr über Land und Leute zu erfahren. Die einzelnen wundervollen Farbfotos sind allesamt gut beschrieben. Die Bilder von den Inderinnen und Indern beeindrucken mich besonders, weil sich in vielen der gezeigten Gesichter durch den selbstvergessenen Ausdruck die Ewigkeit spiegelt.

An anderer Stelle las ich heute das Zitat "Der Tod ist der Zustand der Vollkommenheit, der einzige, der für einen Sterblichen erreichbar ist". Es kam mir sofort in den Sinn als ich das Foto von Varanasi sah, der heiligsten aller Städte Indiens. Wer dort stirbt, erreicht eine Unterbrechung der Wiedergeburten und wer dort im Ganges badet, kann sich von allen Sünden befreien. Nicht der Tod ist der Zustand der Vollkommenheit, wie die Inder wissen, sondern das Entkommen aus den Wiedergeburten, das Nirwana, das sich nach dem Auslöschen aller Vorstellungen und Wunschgebilde als freies Bewusstsein offenbart, das weder an irgendeine Form von Ego noch Individualität gebunden ist.

All die Bilder, die Rabouan für den Betrachter bereithält, atmen den Wunsch der Inder nach dem Zustand der Vollkommenheit im Nirwana aus.

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