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Rezension: Amaze- Christina Mittermeier-teNeues

Dieser Bildband mit begleitenden Texten in englischer, deutscher und französischer Sprache beginnt mit einem Vorwort der mexikanisch-amerikanischen Umwelt-Fotografin Christina Mittermeier, die ihr Leben als Umweltschützerin und Künstlerin als leidenschaftliche Reise begreift. Sie schreibt  zunächst von den Anfängen ihrer Fotografinnenlaufbahn und lässt nicht unerwähnt, dass sie seither viele unberührte Orte der Erde erkundet hat, d.h. jene Winkel, in denen Wildtiere noch nicht gefährdet sind und indigene Völker ihr Leben im Verborgenen frei leben können. Des Weiteren ist Christina Mittermeier auch noch in jeden Ozean abgetaucht und hat auf diese Weise den Zustand unserer Erde sowie unserer Existenz durch die Linse ihrer Kamera aufgenommen.

Das vorliegende Buch hat sie deshalb auf den Weg gebracht, weil sie die Liebe zur Natur und Achtung vor ihr vermitteln möchte. Das Werk verschafft den Lesern und Betrachtern einen Überblick über zwei Jahrzehnte des Schaffens von Christina Mittermeier und spiegelt ihre Faszination für die Widerstandsfähigkeit, den Mut und die Weisheit der verbliebenen indigenen Völker auf unserem Planeten. 

Die Fotografien versucht in Amaze zu zeigen, wie sich die Welt aus den Ursprüngen entwickelt hat und dass wir alle Teil eines komplexen, zusammenhängenden Geflechts des Lebens sind.

Die Fotos im Buch sind teilweise Schwarz-Weiß, teilweise aber auch farbig und werden in zwei Fotoserien untergliedert: "Genügsamkeit" einerseits und  "Am Rande des Wassers" andererseits.

Menschen aus Papua New Guinea und andere aus Madagaskar, Kinder aus Kenia oder Rwanda aber auch Weise aus Indien und indigene Menschen aus Brasilien verdeutlichen die Vielfalt und die Facetten, die den Menschen auszeichnen. Allen gemeinsam ist die Nachdenklichkeit und das Lachen.

Beeindruckend auch ist ein Krokodil unter Wasser. Um ein solches Tier zu fotografieren, braucht man Mut, viel Mut. Dann  sieht man immer wieder mal lachende Kinder, denen wir alle verpflichtet sind eine Planeten zu übergeben, auf dem man noch leben kann.

Ich teile die Meinung des Verlags, der in diesem Werk eine ergreifende Inspiration für ein nachhaltiges Leben sieht und diese überwältigende Sammlung von Naturfotografien in "Amaze" zu einem Muss für alle macht, die sich um unseren Planeten und um diejenigen sorgen, mit denen wir ihn teilen.


Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Amaze

Rezension: My Himalaya- 40 Years Among Buddhists- Olivier Föllmi- teNeues

Der Fotograf Olivier Föllmi, dessen Wurzeln in Frankreich, der Schweiz und Italien liegen, bereiste über 20 Jahre lang als Fotograf und Menschenfreund zu Fuß die entlegensten Himalaya-Regionen. Anschließend verbrachte er 20 Jahre damit, jeden Kontinent der Erde für sich zu erkunden. Der Vielgereiste hat zwischenzeitlich 36 Bücher veröffentlicht, die in neun Sprachen übersetzt worden sind. Seine Publikationen wurden mehr als eineinhalb Millionen Mal verkauft und dienten als Basis für mehrere Filme. 

Die Texte in diesem Prachtband sind in englischer, deutscher und französischer Sprache abgedruckt worden.

Nach einem sehr persönlichen Vorwort des Fotografen, durch das dem Leser und Betrachter des Buches Föllmis Liebe zu der Himalaya-Region bereits recht gut nahegebracht wird,  sind die dann folgenden Texte und Fotos in die Rubriken: 
Wisdom- Weisheit-Sagesse 
Karma-Karma-Karma
Impermanence-Vergänglichkeit-Impermanence 
Interdependence-Interdependenz- Interdépendance 
Compassion –Mitgefühl-Compassion 
untergliedert.

Jedes der Kapitel beginnt mit einem buddhistischen Gedanken, der für das jeweilige Thema steht. Für die Weisheit gilt nachstehender buddhistische Satz: "Ihr seid verantwortlich für eure eigene Verwirrung, und ihr seid verantwortlich für eure eigene Befreiung. Von der Verwirrung rettet uns nur Weisheit."

Dann erfährt man, was man in der Bilderfolge sieht, liest von den Mönchen und ihrem trägen Rhythmus der Mönchsgebete und von dem 14. Dalai Lama, der das "Kalachakra" einleitet. Das ist die zur Erlösung führende Lehre der Weisheit. 

Die Farb-Bilder der betenden Mönche und Gläubigen und des lächelnden Daila Lamas beeindrucken ebenso wie die Fotos eines Gläubigen in den Bergen und die buddhistischen Kinder, in deren Blick sich bereits Bewusstsein zeigt. Das Farbspiel der roten Gewänder noch vor dem geistigen Auge, liest man den Begriff Karma und dass es unser Geist sei, der unser eigenes Karma schafft, sowohl in diesem als auch in allen kommenden Leben. 

Textlich und auch durch die Bilderwelt reist man mit dem Fotografen durch sein Himalaya und verschafft sich Eindrücke, die unvergesslich sind. Der Mensch wird hier auf sein rechtes Maß zurecht gerückt. Die Landschaft macht dabei selbst den Hochmütigsten demütig. 

Dann lernt man Menschen von Dumka kennen. Es sind die ärmsten Menschen von Indien, die die höchsten Straßen der Welt in 5000 Metern über dem Meer für die indische Armee von Hand hacken, schottern und teeren. Auch hier ist Demut angesagt. Wir wissen nicht, wo unser Karma uns hinführen wird. Man sieht imposante Landschaftsbilder, liest über die Vergänglichkeit und erlebt oft sehr verschlossene Menschen aus dem Himalaya-Gebiet, irgendwann dann auch solche, die tanzen und lachen. 

Auf 4500 Meter sind die Schäfer von Rupshu den Unbilden des Wetters ausgesetzt. Danach erlebt man sehr glückliche Menschen. Dies sind die Bilder, die mich am meisten erfreuen. 

Glück bedeutet letztlich Unabhängigkeit. Diese erhält man, wenn man sich vor Verwirrung rettet und sich um Weisheit bemüht, so weit ich das verstanden haben. Weisheit ist die Leere vom Bewusstsein der Vergänglichkeit und  insofern vom  klugen Loslassen. 

Ein Traumbuch.

27,5 x 34 cm 304 Seiten,
200 Farbfotografien Hardcover
Text: Deutsch, Englisch und Französisch
Gewicht: 2,901 kg

 Maximal empfehlenswert.

Helga König

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My Himalaya

Rezension Peter J. König- Afrika- In 125 Jahren um die Welt- TASCHEN

Der TASCHEN Verlag, der für seine spektakulären Bildbände bekannt ist, hat erneut ein wunderbares bibliophiles Kleinod mit diesem außergewöhnlichen Werk "Afrika" auf den Weg gebracht. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von einmaligen Fotografien, die vom National Geographic Magazin seit mehr als fünf Generationen veröffentlicht worden sind. 

Herausgeber ist Reuel Golden der ehemalige Chefredakteur des British Journal of Photography. Dabei werden in einer Bildfolge von 200 Aufnahmen außergewöhnliche Bildwerke gezeigt, aus allen Winkeln des Schwarzen Kontinent von Kairo bis Kapstadt. Alle Bilder stammen aus den Archiven des legendären Magazins National Geographic, die in einem Zeitraum von 125 Jahren dort archiviert worden sind. Es beginnt mit beeindruckenden Schwarz-Weiß- Aufnahmen, setzt sich fort mit den ersten Autochromfotos und führt weiter durch das Zeitalter der Kodachrome-Dias bis in die heutige Digital-Ära. 

Die einzelnen Motive sind immer einzigartig, sei es bei einem Flug in den fünfziger Jahren über die nebelverhangenen Vulkane Ugandas oder über die weiten Steppen Ostafrikas mit ihrer zahllosen Tierwelt. In Ägypten zeigen die Aufnahmen wie die Archäologen in die versunkene Welt der Pyramiden vorgedrungen sind, um Grabmäler zu entdecken, die vor mehreren tausend Jahren errichtet, vom Ruhm der Herrscher in Ägypten zeugen sollen. 

Die Facetten Afrikas sind so vielfältig und genauso vielfältig sind die Themen der Photographien. Dazu gehören die Wolkenkratzer von Simbabwe ebenso, wie die Gassen und die Suks in den Altstadtviertel algerischer Städte. In erster Linie ist Afrika beeindruckende Natur. Hier auch liegt das Hauptaugenmerk der photographischen Kunst. 

Bestaunt werden können die einmaligen Aufnahmen von Berggorillas in Ruanda genauso wie die zarten, rotbuschigen Wildblumen der Drakensberge in Südafrika oder auch der Kampf der kenianischen Bauern gegen riesige Heuschreckenschwärme. Aber nicht nur der Zauber Afrikas wird thematisiert, auch das ganze Elend ist mit der Kamera festgehalten, das sich in den Elendsviertel afrikanischer Millionenstädte ausgebreitet hat. Nichts bleibt den besten Fotografen ihrer Zeit verborgen. 

Und so wird auch der Wandel der Zeit sichtbar, der selbst vor einem solchen wunderbaren, mystischen Kontinent nicht Halt macht. Lange bevor in der modernen, medialen Zeit über Fernsehen oder Internet die Welt, und damit auch der unvergleichliche Kontinent Afrika für jedermann und jederzeit in die Wohnstuben geholt werden kann, war es das berühmteste Fotografen-Magazin der Welt, National Geographic, das einen tiefen Eindruck von den Ländern und den Menschen Afrikas vermittelt hat und damit begann, einen riesigen weißen Fleck auf der Weltkarte transparent zu machen. 

So ist es auch sehr anerkennenswert, dass mit diesem phänomenalen Kunst-Bildband von TASCHEN und dem Herausgeber Reuel Golden sich gleichzeitig eine Hommage verbindet, die National Geographic über alle Zeiten huldigt. 

Absolut empfehlenswert 

Peter J. König

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National Geographic. In 125 Jahren um die Welt. Afrika

Rezension: Chiemsee& Chiemgau gehmütlich –Walter Töper- Verlag Anton Pustet

Dr. Walter Töpner ist Verfasser von Reiseführern und hat mit dem hier vorliegenden Buch allen, die am Chiemsee und im Chiemgau gerne wandern, radeln und etwas entdecken oder erleben möchten, eine große Freude bereitet. 

In den aufklappbaren Buchdeckeln befindet sich jeweils eine Übersichtskarte von der Region, um die es hier geht. Der Autor erläutert zunächst, weshalb der Chiemsee und der Chiemgau zusammengehören und skizziert diese aber auch die Chiemgauer Alpen, um dann ein wenig über die Geschichte zu erzählen. Seit 800 v. Chr. lebten dort keltische Stämme und in der Römerzeit gehörte der Chiemgau zur Provinz Noricum. Im 700. Jahrhundert kamen Benediktiner auf die Inselklöster Herren- und Frauenchiemsee. Darüber hinaus liest man u.a. von Wallfahrtskirchen, Barockschlössern etc. All dies und vieles mehr kann man im Rahmen von 33 Wanderungen und Radtouren in Augenschein nehmen. 

Die erste Route führt den Chiemseeuferweg entlang rund um den Chiemsee. Die Rundfahrt erstreckt sich auf 60 km und kann mit dem Fahrrad an einem Tag bewältigt werden. Man erfährt diesbezüglich, welche Sehenswürdigkeiten einen erwarten, liest über die Orte, die man dort kennenlernt und kann sich über einige, bereits verstorbene Chiemseemaler kundig machen. 

Ein Spaziergang auf der Insel Herrenchiemsee und ein weiterer auf der Insel Frauenchiemsee sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Besonders interessant finde ich alle Infos zur Fraueninsel, einem Ort, den ich selbst schon besucht habe und bei dem damals viele Fragen offen blieben. Dass zwischen den beiden berühmten Inseln noch eine kleine Insel liegt, wissen alle, die sich schon mal am Chiemsee aufgehalten haben, doch dass diese Insel bereits in der jüngeren Steinzeit besiedelt war, dürfte nicht jedem bekannt sein.

Wissenswertes erfährt man über das Kloster Frauenwörth und hier auch über die karolingische Torhalle. Auch Klostermedizin ist ein Thema. Schon im Jahre 1263 gab es einen Klostergarten dort, aus dessen angebauten Pflanzen Säfte und Salben hergestellt wurden. 16 Chiemseefischer leben noch auf der Fraueninsel, die insgesamt 80 Tonnen Fisch fangen und davon gut leben können. Dass dies möglich ist, verdanken sie auch den Touristen. 

Im Rahmen der hervorragend beschrieben 33 Wanderungen erfährt man beispielsweise mehr über alte Bräuche und merkwürdige Sitten. So findet an Maria Himmelfahrt das Fest der Kräuterweihe statt, zu denen einst 77 verschiedene Kräuter zu Büschel geweiht und gebunden wurden. Sie sollten Heil und Glück schenken. 

Über das Wallfahrtsbrauchtum, auch über schweren Zeiten, Wallfahrern und Jakobspilgern kann man sich informieren und immer mehr und mehr in Erfahrung bringen. 

Womit beginnen? Vielleicht mit dem Rad von Kloster zu Kloster, um zu staunen und darüber nachzudenken wie es gewesen sein mag als um die Zeit 465 v. Chr. ein Komet mit der Zerstörungsgewalt von acht Hiroshimabomben auf den Chiemgau traf. Die dort lebenden Kelten waren so traumatisiert, dass sie erst 200 Jahre später in ihr Siedlungsgebiet zukamen. 


Ein tolles Buch.Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Chiemsee und Chiemgau gehmütlich: Wandern, radeln, entdecken, erleben

Rezension: Alles fließt- Der Rhein- Eine Reise-Bilder-Geschichten-Elke Heidenreich

Elke Heidenreich hat Theatergeschichte und Germanistik studiert und moderierte fünf Jahre lang die Sendung "Lesen" im ZDF. Sie arbeitet mit verschiedenen Opernhäusern zusammen und gab 40 Musikbücher heraus, denn Musik ist neben Literatur ihre Leidenschaft. Zudem ist sie Autorin von Kurzgeschichten und Kinderbüchern. Mit dem freien Fotograf und Filmemacher Tom Kraus hat sie bereits viele Reisen, Fotoreportagen und Bücher realisieren können und auch die Bilder in diesem Werk stammen von ihm. 

Das  vorliegende, reich bebilderte Buch beginnt bei den zwei Quellen des Rheins in den Alpen und vermittelt die Eindrücke der beiden Rhein-Reisenden auf vielfältige Weise. Auf einer Karte kann man sich einen Eindruck verschaffen, von wo nach wo der Strom fließt, der immerhin sechs Länder persönlich kennenlernen durfte, bevor er als Lek und Waal nach tausenden von Kilometern in die Nordsee fließt. Dass der Alpenrhein Liechtenstein durchquert und wenig später in den Bodensee fließt, hat man einst im Geographieunterricht gelernt, doch wer dort noch keine Reise hin unternommen hat, bekommt nun endlich eine Vorstellung davon,  wie schön es hier wirklich ist: "Was für eine reich beschenkte Landschaft ist diese Gegend am Bodensee! Schon vor fünftausend Jahren war hier Siedlungsraum, Pfahlbautenfunde im See belegen das. Hier gab und gibt es alles: Berge, Wasser, gutes Klima, Rosen Reichtum, Wein, Fachwerkhäuser, Spargel, Erdbeeren…“ schreibt Elke Heidenreich und bekundet Zeile für Zeile ihre Faszination von dieser Gegend und den weiteren, die dann folgen. 

Die zahlreichen traumhaften Fotos, oft doppelseitig, machen begreifbar, weshalb die Maler und Dichter in vielen Jahrhunderten den Rhein so sehr liebten.  Besonders Eindrücke vom Rheinfall in Schaffhausen sind fotografisch und textlich wunderbar dokumentiert worden und so geht es weiter zu namhaften Orten wie etwa Basel, dem Ort, wo Sebastian Brants Satire "Das Narrenschiff" 1494 gedruckt wurde.  Basel war eine der ersten Städte mit Druckerei liest man, nachdem Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz den Buchdruck erfunden hatte und erfährt von der Autorin immer wieder historisch Interessantes. So wird  ihre Rheinreise  beinahe eine typische Bildungsreise. 

Über einen meiner Lieblingsorte- Straßburg- liest man Wissenswertes, doch stets lebensfroher als in einem Reiseführer, denn Elke Heidenreich freut sich oft während der Reise, einfach die Sonne zu genießen und ein Glas Wein zu trinken. 

Gedichte und Rheinlieder sind in ihren Text eingeflochten, Nietzsche wird zitiert und von der deutschen Seele ist die Rede. Sie habe viel mit dem Rhein zu tun. Das begründet Elke Heidenreich auch und zitiert den Anfang von Heinrich Bölls Erzählung "Undines gewaltiger Vater". 

Speyer und Worms muss man sinnlich wahrnehmen, um die Orte historisch wirklich zu erfassen, ein weites Feld… Hier ist Magie im Spiel, vor allem in Worms. Dort, wo der Dom steht, stand einst die Nibelungenburg, Wohnsitz der  königlichen Mörderbande.  

Schön, dass wenig später an Karoline von Günderode erinnert wird und diverse Rheinburgen erwähnt werden. Heinrich Heines Ballade von den "Feindlichen Brüdern" fehlt ebenso wenig wie Brentanos Loreley-Ballade. Da Elke Heidenreich aber nicht nur typischer Rheinromantik huldigen möchte, wurde auch Kästners sehr ironisches Loreley-Gedicht nicht vergessen. 

Und so berichtet die Rheinreisende mehr und mehr bis zum Niederrhein hin, bis sich Vater Rhein mit Mutter Nordsee verbindet: "Seit Jahrtausenden ist er unentwegt in Bewegung, ist die wichtigste Verbindung zwischen den Alpen und dem Meer. Hier oben darf er endlich Ruhe haben, er muss nicht einmal ordentlich münden- er darf einfach verschwinden, mehr als hundert Kilometer ist das Gebiet breit, in dem er das tut."

"Alles fließt".  Dieses Buch beweist es, nicht nur, weil es sich entsprechend liest.

Sehr empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

Rezension: Rome- Portrait of a City- Giovanni Fanelli- Taschen

Dieser grandiose Fotobildband vereint Hunderte von Aufnahmen, die in Rom realisiert wurden und zwar in Sepia, Schwarz-Weiß und Farbe. Dabei handelt es sich um Bilder, die von 1840 bis heute entstanden sind. 

Zu den Fotografen zählen: Giacomo Caneva, Pompeo Molins, Giuseppe Primoli, Alfred Eisenstaedt, Carlo Bavagnoli, Henri-Cartier- Bresson, Pasquale De Antonis, Peter Lindbergh, Slim Arons und William Klein. 

Ziel dieser Fotografen war es, die kulturelle Metropole aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. 

Das geschieht in 5 Kapiteln, die da heißen: 
1839-1870: Von der Kapitale des Kirchenstaats zur Hauptstadt Italiens
1871-1918:-Zwischen Repräsentation und Rückständigkeit
1919-1944: Licht und Schatten: die Jahre des Faschismus 
1945-1967:  Neorealismus, Dolce Vita, Wirtsschaftswunder
1968- Present Day:  Von den "bleiernen Jahren" bis in die Gegenwart

Jedes Kapitel beginnt mit einem einleitenden Text, der in englischer, deutscher und französischer Sprache abgedruckt worden ist. Die gezeigten Fotos werden alle textlich (übrigens sehr gut) ebenfalls in drei Sprachen erläutert. 

Zwischen 1839-1870 hatte die Hälfte der Bevölkerung Roms keine Arbeit und die Analphabetenrate lag bei 78%. Nahezu 1/3 der Bevölkerung lebte von Zuwendungen, Spenden und mildtätigen Gaben. Das Abwassersystem war damals unzureichend und die hygienischen Verhältnisse katastrophal. Trotz allem kamen immer mehr Touristen nach Rom, die die Bildungsreisenden ablösten und ab 1860 in den neu eröffneten Grandhotels lebten. 

Im Jahr 1841 bannte Lorenzo Suscipj eine Panoramaansicht der Ewigen Stadt in Daguerreotypietechnik auf acht Platten. Bilder aus den frühen Tagen der Fotografie sind besonders spannend, weil sie Menschen und Dinge sichtbar machen, die uns Lichtjahre von heute entfernt erscheinen. So sieht man einen Hauslehrer in traditioneller Tracht eines Abate mit Dreispitz und Schnallenschuhen mit seinen Zöglingen an der Rampe vom Kapitol zum Forum Romanum. Entstanden ist diese Aufnahme 1857. 

Giogio Sommer hat 1860 einen antiken Trödelmarkt fotografiert, aber er vermittelt auch einen Eindruck vom mit Gläubigen übersäten Petersplatz anlässlich der Ostersegens 1865. 

Es ist natürlich unmöglich, alle Fotos im Buch hier zu benennen. Abgelichtet ist u.a. auch eine Hinrichtung eines Patrioten auf dem Schafott im Jahre 1865. 

Im 2. Kapitel dann  kann man eine sich verändernde Stadt betrachten. Ehemalige Ghettos mussten den Prachtstraßen weichen. Es ist die Zeit, in der die Grandhotel boomen und die Caféhäuser, allen voran das Caffè Greco an der Via Condotti, zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens avancieren. Die erste Pferdetrambahn nahm 1877 ihren Betrieb auf. Bemerkenswerterweise konnte der Jugendstil in Rom nur schwer Fuß fassen, weil er zur Monumentalität vieler Neubauten nicht passte. 

Es ist spannend, sich in die dann folgenden Aufnahmen zu vertiefen, nicht zuletzt auch in das Bild, das die Einweihung des damals heftig umstrittenen Denkmals für Giordana Bruno auf dem Campo de Fiori zeigt.

Gläubige und Priester in dieser Stadt sind nichts Ungewöhnliches, wohl aber Buffalo Bill mit Federschmuck im Caffè Greco 1890. Elegant gekleidete Menschen aber auch Pfadfinderinnen lassen die Blicke länger verweilen, weil man weiß, dass im 3. Kapitel eine neue Zeit heran bricht, die nichts Gutes verheißt. 

Die Jahre des Faschismus zwischen 1919-1944 verändern das Bild der Stadt. Mussolini machte sich die modernen Massenkommunikationsmittel Fotographie, Radio und Kino zunutze. Damit festigte er seine Macht. Bilder dokumentieren dies deutlich. Gezeigt wird wie Faschisten auf offener Straße Bücher verbrennen. Das geschah im Jahre 1922 bereits. Viele der Fotos erinnern an Nazi-Deutschland, nur eben mit einem anderem Panorama. Irgendwann schließlich kommen dann endlich Fotos von den Befreiern. Die Römer jubeln im Jahre 1944. 

Es folgt das Kapitel "Neorealismus, Dolce Vita und Wirtschaftswunder" 1945-1967. Damals entwickelte sich die Stadt zum Hauptschauplatz des kulturellen und künstlerischen Lebens Italiens. In der Via Margutta unterhalten nun namhafte Maler ihre Ateliers. Beliebter Treffpunkt der Künstler, Schriftsteller, Intellektuellen, Theater- und Filmleute war das Caffé Greco. Das Rom der 1950er Jahre war jenes des Dolce Vita. Das spiegelt sich auch in der Fotografie wieder. Lebenslust vor dem Hintergrund antiker Fassaden, eine Sophia Loren im Jahre 1955, die man kaum wiedererkennt, weil sie damals noch viel natürliche Freundlichkeit ausstrahlte und immer wieder lachende Menschen, lassen erahnen, welcher Zeitgeist damals herrschte. Auch das Foto von Anita Eckberg im Trevibrunnen fehlt nicht. 

Ingrid Bergmann und Antonie Quinn auf der Piazza del Popolo lassen neugierig werden, was dann noch kommt. Es ist die Zeit, die mit der Gegenwart endet. Hier findet man schließlich auch das  m. E. schönste Foto: Audrey Hepburn in einer alten römischen Villa (Ruine). Sie hält ein Lamm im Arm und strahlt Herzensgüte aus. 

Ein mehrseitiges Bild von der Ostermesse im Vatikan 2016 und tolle Fotos von Papst Franziskus versöhnen mit allem und lassen auf Zeiten des Miteinanders und der Fairness hoffen. Dieser Papst ist ein Garant hierfür. 

Auf den letzten Seiten hat man Gelegenheit sehr gute Kurzbiografien der vielen Fotografen zu lesen. Dies sollte man auch tun, weil sich die Art,  worauf ein Fotograf beim Bildermachen Wert legt, oft durch seine Vita erklären lässt. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Überall im  Fachhandel erhältlich
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