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Rezension: #Masuren im Land der tausend Seen #Dirk_Bleyer, #Mia_Raben- #National_Geographic

Die traumhaften Fotos für diesen Bildband hat Dirk Bleyer realisiert. Er präsentiert seit mehr als 15 Jahren als #Fotojournalist und #Reiseerzähler seine preisgekrönten #Travelogues (Dia-Multivisionsshows). Dabei sollte man wissen, dass seine #Reiseabenteuer mit einer zweieinhalbjährigen Afrikadurchquerung ihren Anfang nahmen und mit Reisen nach #Südostasien sowie langen Aufenthalten in #Neuseeland, #Island und #Masuren fortgesetzt wurden. Der begnadete #Fotograf unterstützt in mehreren Ländern Hilfsprojekte. 

Die Texte im Buch hat Mia Raben verfasst. Sie absolvierte ihr Studium in Politik und Europarecht in Amsterdam, besuchte anschließend die Journalistenschule, ging danach nach Warschau, wo sie als freie Korrespondentin für #Spiegel_Online, die #taz und die #Berliner_Zeitung gearbeitet hat. Heute lebt Mia Raben in Hamburg als freie Journalistin und übersetzt aus dem Niederländischen und Polnischen. 

Wo liegt #Masuren und wo das #Ermland? Menschen, deren Vorfahren aus Ostpreußen stammen, wissen das natürlich schon im Kindergartenalter genau, andere haben vielleicht im Geografieunterricht davon erstmals gehört und später Landschaftsbilder in den Medien bewundert. 

Um sich einen ersten geografischen Eindruck  zu verschaffen, hat man Gelegenheit sich zunächst anhand eines Landkartenausschnittes kundig zu machen und beim Lesen und Betrachten unbekannter Orte immer wieder darauf zurückzukommen. 

Es folgen erste Impressionen zur Einstimmung, so etwa vom herbstlichen Morgennebel über dem #Jezioro_Babka, einer Traumlandschaft, die Melancholie aufkommen lässt.

#Veruschka_Gräfin_von_Lehndorff hat das Vorwort verfasst. Ihre Familie war jahrhundertelang in Masuren ansässig. Sie selbst verließ im Alter von fünf Jahren 1944 ihre Heimat und besuchte diese 2007 erstmals wieder. 

Anschließend in der Einleitung schreibt Mia Raben, dass nur wenige Landschaften mit so viel Liebe bedacht worden sind wie Masuren, doch auch nur wenigen Regionen so viel Grausamkeit widerfahren sei wie diesem südlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens. Die Autorin nennt die namhaftesten Schriftsteller, die ihre Zuneigung und Verzweiflung in Büchern zum Ausdruck brachten. Man liest die Namen #Marion_Gräfin_Dönhoff, #Ernst_Wiechert, #Siegfried_Lenz und #Arno_Surminski und erinnert sich vielleicht  an deren Bücher, die man mit Wehmut gelesen hat. 

Erwähnt wird der Autor #Andreas_Kossert, der sich  stets sehr ausgewogen zur Geschichte jener Region äußert, in der #Masuren, #Schweden, #Franzosen, #Polen, #Deutsche und #Russen sich immer wieder kriegerisch auseinander setzten. 

Die wirtschaftliche Lage der Menschen heute dort sei schwierig, trotz des Tourismus in den Monaten Juli und August. Das #Kontinentalklima in jener Gegend mit seinen langen, kalten Wintermonaten und den kurzen, heißen Sommern habe dazu geführt, dass man Gebäude aus Holz und Lehm errichtet hat, weil diese sehr gut isolieren. #Kachelöfen sorgen dafür, dass das ganze Haus geheizt werden kann. Wie ein solches Haus von innen ausschaut, erfährt man später im Bericht "Masurens Oase des guten Geschmacks".

Das Buch ist untergliedert in vier große Abschnitte: 

Auf dem Weg nach Masuren 
Masuren Westen 
Im Herzen Masurens 
Masuren Norden und Osten 

Das Wechselspiel von Bildern und Texten ist ein Hochgenuss. Dabei schafft es Dirk Bleyer  durch seine Impressionen,  das Geheimnis der Region zu lüften, das zwischen Natur, Glauben und Melancholie angesiedelt ist. 

Man erfährt u.a. Wissenswertes von der Geschichte des Wirtshauses #Oberza_po_Psem, das vom #Gault_Millau zwischenzeitlich ausgezeichnet wurde und erhält visuelle Eindrücke von dem Wirtshaus, das als Gesamtkunstwerk gedacht ist, das dem Erhalt der masurischen Kulturlandschaft dienen soll. Ein Rezept für "#Piroggen mit Hechtfüllung" lässt erahnen wie gut man dort speisen kann. 

Es folgen erneut wundervolle Aufnahmen, so etwa vom Frauenburger Dom am #Frischen_Haff.  Hier hat einst der Domherr und Astronom #Nikolas_Koperinkus mit seiner These, die Erde stehe nicht im Zentrum des Universums  die Welt aus den Angeln gehoben. Bezaubernd auch ist der Blick aus dem Turm der ehemaligen Bischofsburg in der Altstadt von #Reszel. Dort gingen Vorfahren von mir zur Schule. 

Besonders gefällt mir ein Landschaftsbild, das zwei Birken nach einem Gewitter zeigt. Es erzählt auf subtile Art die Geschichte des Ermlands, aber auch Masurens. 

Danzig wird in diesem Buch nicht ausgespart, obschon es weder zum Ermland noch zu Masuren zählt. Diese alte #Hansestadt ist umgeben von der kaschubischen Schweiz, die für ihre Seen, Hügel und Wälde bekannt ist. Man erfährt ein wenig über die wechselvolle Geschichte dieser Stadt, in der nach dem 2. Weltkrieg polnische Vertriebene aus Weißrussland und der Ukraine angesiedelt wurden. Der Aufbau des völlig zerbombten Kerns begann schon 1948. Die Renaissance-Fassaden von Bürgerhäusern sind heute die Symbole des alten Status in neuer Pracht. Tolle Fotos von der astronomischen Uhr in der dortigen Marienkirche und vor allem von den alten Patrizierhäusern begeistern ebenso wie die dann anschließenden Fotos von Westmasuren.

Man liest von dem masurischen Fluss #Krutynia, der eine der schönsten Wasserrouten im Herzen Masurens ist und erfährt mehr über das Paddeln dort. Auch die #Marienburg am Ufer der #Nogat wird vorgestellt. Errichtet wurde sie durch den #Deutschen_Orden im Mittelalter. Für den Bau dieser Festung wurden fünf Millionen Ziegel gebrannt. Die Burg, die sich in der Nogat spiegelt, fasziniert auf dem Foto auf vielfältige Weise, besonders weil das alte Gemäuer zu neuem Leben erwacht zu sein scheint.  Sehr eindrucksvoll ist ein doppelseitiges Foto, dass die angestrahlte Burg in der Nacht bei Gewitter zeigt. 

Es folgen Landschaftsbilder von einer solchen Schönheit, die sich kaum beschreiben lässt und Textauszüge von Schriftstellern aus Masuren. Eines meiner Lieblingsbilder bringt dem Betrachter den Vollmond über dem Jezioro Jagodne nahe. 

#Schloss_Steinort, der Familienbesitz von des Grafengeschlechts Lehndorff lernt man auch kennen. Die Grafen lebten dort 545 Jahre. Über die Geschichte des Schlosses wird man unterrichtet und erfährt, dass seit 2009 sich die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz sich des Gebäudes angenommen hat. Bilder, die den morbiden Innenteil zeigen, schmerzen sehr. Bleibt zu hoffen, dass irgendwann das Gebäude in altem Glanz widerhergestellt wird. 

Schön, dass man Marion Gräfin Dönhoffs Ritt durch Masuren, den sie für ihren Bruder 1941 aufschrieb, abgedruckt hat und traumhaft all die Impressionen, auch von der Ordenshausmühle von Ryn  wie auch von den  masurischen Seen. 

Königsberg, die Hauptstadt Ostpreußens, die im 2. Weltkrieg zerstört worden ist, liegt übrigens an der Pregel und galt über Jahrhunderte hinweg als besonders liberale Stadt, in der die unterschiedlichsten Völker Zuflucht fanden. Erbaut wurde sie im Jahre 1254. Der Philosoph Immanuel Kant lehrte dort an der Albertus-Universität, die 1544 gegründet worden ist.

Ein Foto von der #Kurischen_Nehrung, der größten #Wanderdüne Europas erzeugt Sehnsucht nach dem Gestern der Vorfahren, das durch einen Textauszug aus "So zärtlich war Suleyken" von Siegfried Lenz noch verstärkt wird. 

Zum Schluss lernt man die Wildpferde im Südosten Masurens kennen und erfährt textlich mehr über sie. 

Poesie liegt in allen Bildern, die von einer Landschaft erzählen, die Melancholie in sich trägt aber auch eine Weite, deren Anblick zur Toleranz und Völkerverständigung auffordert. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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