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Rezension: Madeira

Dieser Taschenbuchreiseführer über Madeira wird all jene erfreuen, die im kommenden Jahr planen, diese schöne Insel zu besuchen.

Dagmar Kluthe und Holger Leue haben das handliche, hochinformative Buch auf den Weg gebracht.

Im Innenbereich des Buchdeckels hat man Gelegenheit, zunächst einmal eine Landkarte von der Insel zu studieren, um sich alsdann in viele Bilder und Texte zu vertiefen, die sich mit der grandiosen Landschaft, den Orten, den herrlichen Blumen und tausend Dingen mehr, die diese Insel reizvoll machen, befassen. Dabei sollte man zunächst wissen, dass Madeira mitten im Atlantischen Ozean liegt und zwar rund 500 Kilometer entfernt von Marokkos Küste und dass diese Insel noch zu Europa gehört.

Das Buch ist untergliedert in:

-Die Stadt Funchal
-Rund um Funchal
-Zentralmadeira
-Der Westen
-Der Norden
-Der Osten
-Porto Santo

Madeira von A Bis Z

-Klima und Reisezeit
-Fremdenverkehrsämter
-Madeira im Internet

In der Einleitung erhält man einen kurzen Überblick im Hinblick auf die Besonderheiten der Insel, die für ihr mildes Klima bekannt ist und kann sich kurz über die wichtigsten historischen Ereignisse des Eilandes informieren, von dem man annimmt, dass es schon den Phöniziern bekannt war. Der Madeirawein wird kurz thematisiert und Madeiras immenser Reichtum in der Vergangenheit, der zahllose Piratenschiffe anlockte und zu grausamen Überfällen führte. Die Azulejos (Kacheln) werden beleuchtet, die mit den Mauren einst nach Spanien kamen und in Madeira die meisten Kirchenwände zieren.

Anschließend wird die Stadt Funchal vorgestellt. Es werden neben den Stadtinfos gesonderte Autorentipps erteilt, die Sehenswürdigkeiten der Stadt werden kurz vorgestellt, auch erhält man Infos, wo man vor Ort gut einkaufen kann, liest über die Gassen der Altstadt und erfährt u.a., dass Kolumbus 1498 als er auf seiner dritten Reise nach Amerika in Funchal Station machte, im Palast eines flämischen Zuckerhändlers im Herzen von Funchal wohnte.

Sehr gut wird ein Stadtrundgang beschrieben und man erhält wichtige Hotel- und Restaurant-Adressen in der Altstadt. Über den Fischmarkt und den Bauernmarkt von Funchal wird man ebenso informiert, wie über die Museen dort. Die genauen Adressen der Museen sind auch aufnotiert. Der Wein und Weinfeste werden fokussiert und man bekommt Adressen von Weinkellereien in Funchal, die man besichtigen sollte.

Ferner wird man über die kulinarischen Besonderheiten in Kenntnis gesetzt und über die Möglichkeit Wasserport zu betreiben, bevor man die Umgebung der Stadt näher kennenlernen kann.

In der Folge werden nach einem gut nachvollziehbaren Prinzip, das dem der Dumont-Taschenbuch-Reiseführer nicht unähnlich ist, zu all den oben angegebenen Regionen der Insel viele brauchbare Infos erteilt. Dabei stößt man immer wieder auf Landschaftaufnahmen, die erahnen lassen, wie schön diese Inseln ist.

1982 wurde übrigens der "Naturpark Madeira" ins Leben gerufen, der sich über zwei Drittel der Inselfläche erstreckt. Auf dieser Insel sollte man an den alten Wasserkänälen entlangwandern, um einen intensiven Eindruck von der Schönheit Madeiras zu erhalten. Das Meer, die Landschaft, auch die hohen Berge laden dazu ein, seine Ferien auf Madeira zu verbringen. "Madeira Zeit für das Beste" wartet mit vielen Geheimtipps auf, die dazu verhelfen, auch wirklich noch den letzten Winkel der Insel zu erforschen.

500 Abbildungen verschaffen einen guten Eindruck von diesem Paradies und diverse Übersichtskarten und Detailpläne zu 50 Highlights ermöglichen eine schnelle Orientierung.

Empfehlenswert.




Rezension:Kleine Hotels mit Charme - Deutschland: Von unabhängigen Testern geprüft und empfohlen: 330 Hotels (Broschiert)

Unter meinen vielen Hotelführern, die sich mit Hotels in Deutschland befassen, sticht dieser ganz besonders hervor, weil er die von mir geschätzten charmanten Hotels im Fokus hat, die dem Individualreisenden eine hübsche Atmosphäre, Behaglichkeit, ansprechendes Ambiente und individuelle Betreuung bieten.

Die angeführten 330 Hotels wurden von unabhängigen Testern besucht und getestet.

Zu den Auswahlkriterien gehören eine ruhige und attraktive Lage, der besondere Charakter des Gebäudes, - viele Häuser sind historisch bedeutend -, ein geschmackvolle Inneneinrichtung, eine delikate Küche und eine angenehme Gesamtatmosphäre.


Diverse Landkarten Deutschlands sind der Beschreibung der einzelnen Hotels vorangestellt und in solche aus Nord- West- Mittel- Ost- und Süddeutschland übersichtlich untergliedert.


Die einzelnen Hotels sind gut beschrieben, wie ich an jenen, die ich kenne, überprüfen konnte. Neben einer jeweils ausführlichen Beschreibung erhält man Informationen zur Umgebung, der Lage, der Anzahl der angebotenen Mahlzeiten (nicht mit der Speisekarte zu verwechseln!) und eine Auflistung der Anzahl und Art der Zimmer. Man erfährt, wann das Hotel geschlossen ist, ob Tiere erlaubt sind, erhält den Namen der Besitzer und die genaue Anschrift. Die Zimmerpreise werden natürlich auch genannt.


Damit Sie eine Vorstellung von dem haben, was Sie erwartet, zitiere ich aus dem Hotelführer:


"Der Schafshof" . Ein umgebautes Kloster, in der Nähe von Amorbach gelegen.


"Die Benediktiner wussten was sie taten, als sie sich im 15. Jahrhundert hier niederließen. Denn der " Schafshof " war für sie ebenso ein stilles Refugium, wie er es für die Menschen heute noch ist. Das im 18. Jahrhundert aus Sandstein errichtete heutige Hotelgebäude bietet einen herrlichen Blick über Wiesen und sanfte Hügel- einer Landschaft in der es kaum andere Häuser gibt. In den Nebengebäuden werden Schafe, Hühner und Enten gehalten, die Fleisch für die Küche liefern. Im See gibt es Forellen und Karpfen. Alles, vom Brot über Nudeln, Marmeladen und Süßspeisen bis hin zum Apfelsaft, wird hier selbst hergestellt oder stammt vom örtlichen Markt. Die Küche genießt einen ausgezeichneten Ruf.


Die ehemaligen Besitzer haben eine schlichte Einrichtung gewählt, die zu den Balkendecken, den gefliesten Böden und den Steinwänden passt. Die Stoffe sind in Rosa- und Cremetönen gehalten, die Wände weiß getüncht. Die Gästezimmer wirken gemütlich. In den unter den Dach gelegenen Räumen mit niedriger, honigfarbener Holzdecke, stehen einfache Betten aus Fichtenholz, während man in den Zimmern im ersten Stockwerk rustikale, dunkle Holzmöbel findet. "


Die Beschreibung stimmt exakt. Ich kenne das Hotel und habe es schon mehrfach aufgesucht.


Andere aufgeführte, mir bekannte Hotels sind ebenfalls bestens beschrieben. Ich schließe aus meinen Stichproben, dass dies für alle Hotels zutrifft und empfehle deshalb den Hotelführer vorbehaltlos.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.



Rezension: Extrem Bayrisch- Roger Fritz und Ottfried Fischer

Dieses Buch hat Roger Fritz, einer der renommiertesten deutschen Fotografen- er war Mitbegründer der Zeitschrift Twen - und der Kabarettist Ottfried Fischer auf den Weg gebracht. Bevor ich das Buch zu lesen begann, habe ich mich zunächst, etwas amüsiert, mit den vielen gelungenen Fotos befasst und hier u.a. die Gesäße von barocken Dirndlträgerinnen, die auf einer Festzeltbank sitzen, beäugt, Bier trinkende Lederhosenträger, typische Jodler und Transis im Dirndl, als auch nackte bayrische Männer im Englischen Garten bewundert und dralle, fast nackte Nebenerwerbsballerinen im Bayernnachtclub in München in Augenschein genommen.

Bilder von Altötting ließen mich inne halten, weil ich hier im Rahmen des begleitenden Textes auf ein paar Zeilen von Ottfried Fischer stieß, die ich sofort gelesen habe. Er schreibt ketzerisch: "Bayerns Mekka heißt Altötting. Dort befindet sich die Gnaden-Kaaba, um die herum, nach der Unbill der Gnaden-Fußwallfahrt, insbrünstig betend die Sünder, Büßer und Gelobenden immer noch schwere Gnadenkreuze schleppen, um sich dann, nach Anbringung eines Ex-Voto-Gnaden-Bildchens in der Marianischen Gnaden-Behausung wegen Auffrischung der Weihwasserbestände im Gnaden-Shopping des Devotionalien-Overkill zu verlieren, behutsam überwacht, dank der Gnade des Herrn, jetzt wohl schuldenfreien Gnaden-Hotelfachschule mit gnädig angegliederter Gnaden-Gastronomie für Verehrer der gnadenreichen Jungfrau."( Zitat: Fischer, S. 73).


Zurück zu den Bildern: Den Impressionen der Bayrischen Passionsfestspielen folgen einige Seiten später Porträtaufnahmen typischer Grantler, auf die ich später noch zu sprechen komme. Des Weiteren sieht man Männer beim "Watschntanz" und Männer bei Festzügen mit medaillenbehängter Brust. Interessant auch ist das Erst-Mai-Treiben von bayrischen Männern, das Kraftmessen beim Fingerhakeln, Boahakeln, Strängkatznziagn, Holzhacken, Steinheben, Tabak -Schnupfen, beim Schießen und schließlich beim Reiten auf Kühen. Schaue ich mir diese Fotos an, wird mir klar, dass der bayrische Mann etwas besonderes ist, der bayerische Frauen ganz offensichtlich veranlasst, mehrfach im Jahr nach Altötting zu pilgern, um dort für sein mentales Wohl zu beten.


Fischer thematisiert das bayerisch-anarchische Potential und die Vorliebe der Bayern für Bier, das untrennbar zu Bayern gehört. Die Maßmesstechnik kommt zur Sprache und auch das Oktoberfest, das die Großverkaufstelle für Bier und Hendl darstellt. Die Aufnahmen vom Oktoberfest finde ich hervorragend, speziell jene, die sich mit dem "Abschleppen" befassen. Das bayrische Abschlepp-Theorem heißt übrigens:" A bissl was geht immer".


Der Katholizismus in Bayern wird nicht ausgespart. Fischer hält fest, dass Wallfahrten, Passionsspiel, Bittgänge und Prozessionen zumeist die Folge eines in grauer Vorzeit gemachten Gelübdes ist. Die Oberammergauer Passionsfestspiele sind ein Ergebnis der Pestzeit. Spitzzüngig erläutert der Kabarettist "Seitdem lässt sich, begleitet von einer ständigen Antisemitismus- und Modernisierungs-Diskussion ein ganzes Dorf jahrelang Haare wachsen, um so auszusehen, wie Menschen zum Zeitpunkt der Kreuzigung ausgesehen haben mögen. Das führt dazu, dass man ständig Ausschau hält, wo sich denn nun die Hippiekommune befindet, bei gleichzeitiger Verwunderung darüber, dass einem da überhaupt kein Dope angedient wird."( Zitat Fischer: S. 73).


Alsdann erfährt man, dass das Grantig sein für einen Bayern ein vollkommen korrektes Verhalten ist, das mit seinem Gegenüber zunächst gar nicht zu schaffen hat. Die griesgrämige Miene des Grantlers will uns Nichtbayern begreifbar machen, dass er denkt: "I wui mei Ruah". Gut zu wissen.


Über das Brauchtum, zu dem auch die Schützenvereine beitragen, liest man Spannendes. Archaisch erscheint mir allerdings das Fingerhakeln. Fischer kommentiert präzise: Fingerhakeln sei eine fast schon visionär zu nennende digitalisierte (digtus lat. Finger) Version einer Bewältigung der Frage, wer im Augenblick der Stärkere sei, (vgl. S. 129).


Über das Floßfahren in Bayern wird man aufgeklärt, das eine Art Miniaturvolksfest ist und auch über das Tabak-Schnupfen, das ich nicht verstehen muss. In Münsing am Starnberger See gibt es ein Ochsenrennen, das mir endgültig zeigt, dass bayrische Männer eindeutig spanisches Blut besitzen und wirklich anders ticken als die Preußen.


Die Frauen in Bayern haben sich gewiss an die vielen Männerrituale gewöhnt und werden sich sicher nicht mehr wundern, weshalb ihre Männer in ihrer Freizeit lieber "Fingerhakeln" als auf der Maximilianstraße shoppen zu gehen. Jeder macht das, was er kann. :-))


Ein witziges Buch, mit wunderschönen Fotos.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.

Rezension: 400 kulinarische Reisen, die Sie nie vergessen werden.

Dieses hochinformative Buch wird all jenen gefallen, die auf ihren Reisen ein Augenmerk auf kulinarische Besonderheiten legen. Zur Sprache kommen:

-Spezialitäten und Zutaten (Regionale Delikatessen)

-Bunte Märkte (Streifzüge über die schönsten Schlemmermeilen der Welt)

-Saisonale Köstlichkeiten (Lokale Gaumenfreuden in der ganzen Geschmacksreife)

-In der Küche (Geheimnisse aus den Kochtöpfen der Welt)

-Die besten Straßensnacks (Leckere Gerichte auf die Hand, von Chili Dog bis Papayasnack)

-Gourmetstädte (Metropolen für Genießer, von Paris über Honkong bis Charlston)

-Luxus pur (Exquistite Genüsse, die man sich nur einmal im Leben gönnt)

-Wein, Bier und Co. (Edle Tropfen und rustikale Getränke rund um den Erdball)

-Süße Leckerbissen (Spezialitäten aus dem Paradies für Schleckermäuler)

Nach einem Vorwort von Tim Mälzer hat man Gelegenheit sich vieler schöner Fotos und einer Fülle hochinteressanter Texte zu erfreuen, die das Genießerherz höher schlagen lassen.

Man erfährt u.a., in welchem Land Ahornsirup produziert wird und wo es den schärfsten Chili gibt, liest Näheres über den weißen Tee in China und die Feigenernte in der Türkei. Ausgespart in den Betrachtungen werden weder der "San -Daniele-Schinken" Norditaliens, noch der "Aceto Balsamico" aus Modena. Auch liest man von den Orangen vom Ätna. Es handelt sich um Blutorangen, die einen überduchschnittlichen Gehalt an Vitamin C haben und ihre Farbe den Anthocyanen verdanken, die die freien Radikalen binden und auch gesundheitlich überaus wertvoll sind.

Neben diesen Infos erfährt man jeweils auch, was es sonst noch Delikates in den Regionen gibt, aus denen bestimmte Spezialitäten stammen. Es werden also beispielsweise nicht nur Austern aus der Bretagne thematisiert, sondern man erfährt darüber hinaus beispielsweise auch etwas über Cidre, Salzbutter und Crepes.
Auf Seite 30 kann man sich in die erste der zahlreichen TOP-Ten Listen vertiefen. Vorgestellt wird Käse aus Frankreich. Die aufgelisteten Käsesorten werden genau beschrieben und man erhält Kurzinfos zur Reiseplanung.


Mit großen Interesse habe ich über die Vanille aus Rèunion/Madagaskar gelesen. Ein zwölfjähriger Sklavenjunge auf Rèunion entwickelte einst die Methode Vanillenblüten künstlich zu bestäuben. Von da an konnte sie kommerziell angebaut werden. Nach weiteren Infos zur Vanille, erfährt man, wie zu allen anderen kulinarischen Besonderheiten im Buch, jeweils die beste Reisezeit, die Reiseplanung und die entsprechenden Websites.

Die 10 besten historischen Feinkostläden werden beschrieben, so u.a. das "Jelissejew" in Moskau. Man lernt viele schöne Märkte in aller Welt kennen und auch nostalgische Süßwarenläden. Zu diesen gehört "A La Mère de Familie" in Paris. Es handelt sich hierbei um das älteste Bonbongeschäft in der Stadt, das bereits 1761 gegründet wurde.

Bei den saisonalen Köstlichkeiten lernt man auch das Nationalgericht der Norweger kennen. Es heißt "Lutefisk" und soll von den Wikingern stammen. Informiert wird man über die Top TEN der Festtagsgerichte und über die Top TEN der kulinarischen Neujahrrituale, u.a. auch über den "Weißen Mond" in der Mongolei. Neugierig hat mich mal wieder das Burgund gemacht, die Weinlese dort und die Burgunder Spezialitäten, zu denen nicht nur das "Boeuf Bourguignon" und "Escargots" zählen, sondern auch "Jambon Persillé" und andere Leckereien mehr.


Die TOP TEN der kulinarischen Überraschungen weltweit, lohnt es ebenso zu studieren, wie die Infos zur Küche von Yucatán in Mexiko und jene zu den Gewürzen aus Rajasthan. Für Hobbyköche werden die 10 besten Kochschulen Italiens aufgelistet und kurz beschrieben, auch die Aromen der Provence werden thematisiert, d.h. die delikaten Kräutermischungen aus Thymian, Fenchel, Rosmarin, Kerbel, Bohnenkraut etc, die nicht nur einem Kaninchenragout den letzten Pfiff verleihen.

Im Rahmen der Vorstellung der besten Straßensnacks weltweit, liest man auch von den TOP TEN der kulinarischen Feste, die man besuchen sollte.

Zu den Gourmetstädten zählt natürlich Honkong und auch Athen. Die dortigen Tavernen sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man gegrillten Fisch und erntefrisches Gemüse essen möchte.

Wer wissen will, wo man am besten mit Meerblick diniert, kann sich in den TOP TEN "Dinner mit Meerblick" informieren. Auf Platz 7 steht der "Club 55" in Saint Tropez. Hier habe ich schon einmal gegessen und kann bestätigen, dass es dort wirklich schön ist, zumindest im Winter, wenn keine Touristen den Blick aufs Meer verhindern.

Man lernt u.a. die besten 10 historischen Restaurants weltweit kennen. Zu ihnen zählt auch das "La Tour d`Argent" in Paris. Die Spezialität des Hauses ist die Ente. Sie ist innen blutig und außen karamelisert.


Luxus pur ist auch ein Thema. Klosters in der Schweiz wird u.a. hervorgehoben, auch die Spitzenküche von Lyon. Man lernt 10 gastronomische Höhenflüge kennen und auch 10 sündhaft teure Cocktailbars, in denen Barkeeper Gold, Diamanten und erlesen Champagner mixen. Es gibt Menschen, die solche Getränke offenbar benötigen.


Ich freue mich, dass man meinen Lieblingsort auf dieser Welt, Saint-Paul-de Vence, auch fotografisch festgehalten hat. Im "Le Saint Paul", das im Buch sehr gelobt wird, habe ich das beste Lammfilet meines Lebens gegessen und kann insofern bestätigen, was man über dieses Restaurant geschrieben hat.


Sehr neugierig hat mich die Top Ten der Literaturkneipen gemacht. Hier auch ist das Café aufgeführt, in welchem Puschkin seine letzte Mahlzeit verspeiste und Dostojekwski Stammgast gewesen sein soll.

Über kleine Champagnerhäuser in Frankreich wird man des Weiteren informiert, auch über die TOP TEN der Weintouren in unserem westlichen Nachbarland. Gerne würde ich das Saint Èmillion kennen lernen und keineswegs nur deshalb, weil die Troubadoure diesen Wein schon gepriesen haben.

Die Wiener Kaffeehäuser sind ebenso gut beschrieben, wie das Eis in Rom. Die Vorstellung, nicht wegen der Kultur und Kunst nach Rom zu reisen, sondern der guten Eissorten wegen, finde ich amüsant.

Ein tolles Buch, in dem man immer wieder lesen und sich inspirieren lassen kann.

Den Weihnachtsmarkt von Cusco würde ich gerne besuchen oder alternativ den Weihnachtsmarkt von Prag. Vielleicht meint es ja Nikolaus in diesem Jahr gut mit mir und gewährt mir einen der beiden Wünsche.

Ein wunderschönes, überaus informatives Buch.


Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.
Bildmaterial: Mit freundlicher Genehmigung des National- Geographic-Verlags.


Rezension: Patagonien- Peter Gebhard- Begegnungen am Ende der Welt

Dieses Buch hat der Fotograf und Journalist Peter Gebhard auf den Weg gebracht. Er befasst sich darin mit der Südspitze Südamerikas. Auf den Leser warten eine Fülle eindrucksvoller Bilder und Berichte über Menschen, die dem Autor dort begegnet sind. Hierbei handelt es sich um Gauchos, Farmer, Abenteurer und engagierte Naturschützer.

Der Rio Colorado am 39. Breitengrad gilt allgemein als nördliche Begrenzung Patagoniens, die Magelanstraße am 53.Breitengrad als südliche. Eine weitere Grenzlinie ist der in der Nordsüdrichtung verlaufende Hauptkamm der Südanden. Dieser ist auch die Grenzlinie zwischen Chile und Argentinien. Der chilenische Teil ist von einem Gewirr aus Inseln, Fjorden und Gletschern geprägt. Hier an der Pazifikküste liegen einige der regenreichsten Gebiete der Welt. Die Vegetation besteht zumeist aus undurchdringlichem Regenwald. Im Süden der Anden bewirkt das feuchtkühle Klima Vergletscherung. Der Autor lässt den Leser wissen, dass das südpatagonische Gletschereis mit einer Fläche von 16 000 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Gletschergebiet außerhalb der Polregionen ist, (vgl.: S. 180).

Unterschiedliche Siedlergruppen fanden sich einst in der Einsamkeit Feuerlands ein. Die ersten Pioniere kamen aus Chile, vom Pazifik her und aus Rio Puelo. Darüber, aber auch über mehr als 2000 Jahre alten Alercebaumriesen, über reißende Gebirgsflüsse, einem Paradies,- dem patagonischen Urwald- am mittleren Rio Turbio wird man umfangreich informiert. Die eindrucksvollen Bilder lassen die Schönheit dort erahnen.

Es ist unmöglich all die Geschichten an dieser Stelle in Kurzform nachzuerzählen, die Gebhard von den Menschen, die er auf der Reise kennengelernt hat, zu berichten weiß. Es sind nicht nur Geschichten wie die von Romantikern, Zivilisationsflüchtlingen wie Bea und Felix, sondern auch von recht rauhen Gesellen.

Obschon die Texte packend geschrieben sind, bin ich von den Fotos noch weit mehr begeistert, weil sie die Landschaft und Leute zeigen. Die Abgeklärtheit in den Gesichtern der Gauchos fasziniert mich. Sie leben alle in einer karg eingerichteten Wohnungen, sind Ritter der Einsamkeit, die die Freiheit lieben. Draußen im Campo sind sie respektierte Menschen und vielleicht ist es genau dies, was sie dazu bringt, Jahrzehnte in der Einsamkeit auszuharren.

Ein doppelseitiges Bild hat mich besonders fasziniert. Abgelichtet ist eine Impression des südchilenischen Dschungels. Gezeigt werden Nalca-Blätter mit Fuchsien. Mir war bislang nicht bewusst, dass es solch üppig blühende Fuchsienbäume überhaupt gibt.

Die Landschaftsaufnahmen im Buch können nicht genug gelobt werden.

Der Leser wird auch über Wetter und Klima, die günstigste Reisezeit nach Patagonien und die touristische Infrastruktur aufgeklärt.

Patagonien soll ein Trekkingparadies sein. Hier werden entsprechende Touren genannt. Über Unterkunft und kulinarische Gepflogenheiten wird man auch aufgeklärt.

Ein billiges Reiseland ist Patagonien nicht. Die Preise sollen auf südeuropäischen Niveau liegen.


Ein sehr schönes Buch mit eindrucksvollen Fotos.

Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.

Rezension:Dresden - Stadt der Künste (Gebundene Ausgabe)

In diesem wundervollen, reich bebilderten Buch wird die von mir überaus geschätzte Kunststadt Dresden vorgestellt. Der Autor, Dieter Zumpe, hat in Dresden und Berlin Geschichte und Theaterwissenschaft studiert, der Fotograf Ernst Wrba studierte Foto-Design.

Gleich zu Beginn wird man visuell an den Mythos von Elbflorenz erinnert und kann sich eines doppelseitigen Gemäldeausschnitts "Die Frauenkirche in Dresden" von Bernado Belotti, genannt Canletto, entstanden 1751/52 erfreuen. Im Rahmen eines Streifzugs durch die Stadtgeschichte erhält man einen sehr guten Überblick über die Zeitläufte in Dresden, deren dunkelste Tage wohl der 13./14. Februar 1945 gewesen sind, als durch Bombenangriffe und den damit einhergehenden Feuersturm die gesamte Innenstadt vernichtet wurde.


Man lernt das renovierte Residenzschloss kennen, aus dem mittlerweile ein Museumsschloss geworden ist. Hier nämlich hat das "Grüne Gewölbe", das "Kupferstichkabinett" und demnächst auch die "Türkische Cammer" sowie die "Rüstungskammer" ihr Domizil. Bewundernswert ist die Aufnahme, die den Eingang zum Hausmannsturms vom Schlosshof aus zeigt. Der Fürstenzug am "Langen Gang" vor dem Stallhof am Schloss mit seinen 25 000 Porzellankacheln ist abgelichtet und der neue Lichthof im kleinen Schlosshof, der jetzt zur Piazza geworden ist, von der aus man in die Museen gelangt. August der Starke präsentierte 1729 im Schloss die europaweit erste - öffentlich zugängliche Schatzkammer- das "Grüne Gewölbe", über das im Buch ausführlich berichtet wird. Erstaunlich ist, das die Schätze durch die Jahrhunderte nahezu vollständig erhalten geblieben sind. Die Themen der einzelnen Räume: Saal der Kunststücke mit Mikrokabinett, Kristallkabinett, zwei Räume der Kurfürsten, Raum der königlichen Pretiosen, Dringlinger-Saal und Email-Kabinett.


Neben hervorragenden Texten zum Grünen Gewölbe, kann man sich anhand sehr guter Fotos einen Eindruck von der Pracht dort verschaffen, auch von Dinglingers "Der Thron des Großmoguls Aureng Zeb", der Vision von orientalischer Macht und Pracht. Des Weiteren werden die Prunkwaffen in der Rüstungskammer thematisiert und das " Kupferstich-Kabinett" im Schloss, das den Reichtum aus nahezu 450 Jahren zeigt, bevor sich der Autor mit der Hofkirche auseinandersetzt, in der man u.a. einen Engel von Balthasar Permoser bewundern kann.


Überaus gelungen ist die Beschreibung des Zwingers, eine originäre Idee Augusts des Starken, entstanden nach einer Ideenskizze, die seine Architekten und Bildhauer umzusetzen hatten. Mit dem Erweitern der kurfürstlichen Kunstsammlung und dem Bau repräsentativer Schlösser und dem Palais setzte sich der König ein bleibendes Denkmal. Der Zwinger gehört zu den Hauptwerken des sächsischen Barock und zu einem Höhepunkt europäischer Baukunst. Wegen eines Staatsbesuchs des Dänenkönigs wurde in aller Eile ein hölzernes "Amphitheater" gezimmert, das Baumeister Daniel Pöppelmann nach 1709 durch ein steinernes Gebäude ersetzte.


Thematisiert werden im Zusammenhang mit dem Zwinger u.a. die Skulptur "Großer trauender Mann, den Opfern des 13.Februar 1945 gewidmet", die Wasserkaskaden der "Langgalerie" und das plätschernde Wasser als barocke Gestaltungselemete, sowie die Nymphen Permosers, bevor man Näheres über die Galerie der Alten Meister im Zwinger erfährt. Nicht nur die "Sixtinische Madonna", sondern eine Vielzahl anderer wundervoller Gemälde werden im Buch gezeigt, erfreulicherweise auch Rembrandts "Selbstbild mit Saskia", d Antonella de Messinas "Der heilige Sebastian" und Lucas Cranach Adam und Eva". Eine sehr gute Darstellung dieser grandiosen Galerie!


Gefallen hat mir auch die Beschreibung der Porzellangalerie, die ich schon zweimal besucht habe. Neben ostasiatischen Stücken steht natürlich das "Meißener Porzellan" im Mittelpunkt. Zwei Jahre nach der Erfindung des Porzellans wurde seitens August des Starken die "Königliche Manufaktur" in Meißen gegründet. In der Galerie lernt man kunstvoll gestaltete Servicen, Tafelaufsätze, Szenen aus dem Hofleben etc. kennen und natürlich auch die hübschen Figuren, wie etwa die "Tanzende Harlekinfamilie" aus der "Commedia dell` Art" von Johann Joachim Kändler, die im Buch doppelseitig abgebildet sind.


Entzückt bin von der Beschreibung des Taschenbergpalais. Dort hatte ich bereits das Vergnügen zu logieren und Silvester zu feiern. Die prominenteste Bewohnerin war die Gräfin Cosel, eine Mätresse August des Starken, die 1713 in Ungnade fiel und verbannt wurde. Von der im Krieg zerstörten Innenausstattung konnte nur die doppelläufige Haupttreppe mit Balustraden wiederhergestellt werden. Das "Italienische Dörfchen", das ich im Rahmen meiner Kaffeehausrezension gestern erwähnte, wird in der Folge auch in diesem Buch beschrieben und es wird der historische Hintergrund des Begriffs bestens ausgelotet.


Gottfried Sempers Opernhaus ist ein Kapitel gewidmet und viele Fotos sorgen dafür, das man einen Eindruck von der Schönheit dieses Gebäudes erhält. Anschließend lernt man die Gegend um die Frauenkirche näher kennen und erfährt Einiges über den Wiederaufbau dieses Bauwerkes. Die Geschichte des "Coselpalais" und das "Kurländerpalais" wird kurz skizziert, auch das Stadtmuseum bleibt nicht ausgespart und man liest von dem Altmarkt mit der Kreuzkirche, dem Gewandhaus und dem neoklassizistischen "Neuen Rathaus" mit seiner Kuppel von Otto Gussmann.


Gelungen auch ist die Vorstellung der vielen Denkmäler, das größte ist der "Goldene Rathausmann" von Richard Guhr, eine der markanten Stadtkronen von Dresden. Ein besonders schönes Denkmal ist in meinen Augen Johann Schillings "Die Nacht, mit Schlaf und Traum". König Augusts III. Premierminister Heinrich Graf von Brühl bleibt nicht ausgespart und die nach ihm benannte "Brühlsche Terrasse", ferner wird das Zeughaus thematisiert, die große Galerie neuer Meister, aber auch das Albertinum, mit seiner Fülle an weißen Skulpturen und die Kassematten im Untergrund, die ich bislang leider noch nicht besichtig habe.


Ein Streifzug durch Dresdens "Vorgärten" führt auch in "Pfunds Milchgeschäft", das man gesehen haben sollte wegen der schönen Fliesen von Villeroy und Boch. Interessant auch ist die "Moschee für den Zigarettenkönig", auch das "Japanische Palais" und das so genannte "Blaue Wunder". Auch hierzu erfährt man viel.


Schön, dass man auch die "Gläserne Manufaktur für VW" im Fokus hat. Diese zu besichtigen lohnt sich wirklich. Das "Palais im Großen Garten" ist wie Phönix aus der Asche wiederauferstanden und erfreut den Betrachter ebenso sehr wie die Schlösser und der Wein im Elbeland, die im Buch ebenfalls sehr gut beschrieben werden. Die "Moritzburg" muss man besuchen und das "Bergpalais von Pillniz" mit den chinesischen inspirierten Gestaltungselementen bevor man im Weingut Schloss Prinz von Lippe in Proschwitz, dem ältesten Weingut Sachsens, sehr gute Tropfen verkosten kann und in Gedanken die Fülle der Kunst Dresden vor seinem geistigen Augen sieht und zutiefst beeindruckt von der Schönheit dieser Stadt sie in sein Herz einschließt.


Dieses Buch kann nicht genug gelobt werden.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.




Rezension: Wie man Venezianer wird: Der Traum vom Leben in der Serenisima (Sondereinband)

Dieses kurzweilig zu lesende, reich bebilderte Buch wurde von der Autorin Dr. Barbara Sternthal und dem Fotografen Harald Eisenberger auf den Weg gebracht. Bevor ich mich in die Texte vertiefte, habe ich mich erst einmal ausgiebig mit den Fotos befasst, die zum Teil Stadtansichten von Venedig zeigen, die ich bislang noch nicht kannte.

Dr. Sternthal liebt Venedig und geht im Buch der Frage nach, was Menschen umtreibt, sich in dieser Stadt, die für Massentourismus steht, niederzulassen und sie zu ihrer Wahlheimat zu machen. Donna-Leon-Leser kennen die vielschichtigen Probleme von Venedig ein wenig und werden sofort sehen, dass Leon ein recht realistisches Bild von der Stadt zeichnet. Es deckt sich nämlich mit den Aussagen der 20 Wahl-Venezianer, über die Dr. Sternthal spannend zu schreiben versteht.


Die Personen, die Dr. Sternthal fokussiert, kommen aus den USA, Österreich, Großbritannien, der Schweiz, aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Dänemark, Tunesien, Kroatien und Chile. Man erfährt, was sie veranlasst hat, sich in Venedig niederzulassen, liest von ihrem Blickwinkel auf die Stadt ihrer Träume, der durchaus kritisch ist und wird nicht im Ungewissen gehalten, womit sich die einzelnen Personen beschäftigen.


Besonders gefallen hat mir das Porträt der Schuhmacherin Gabriele Gmeiner, die im Herbst 2003 das Wagnis einging, in dieser Stadt eine kleine Basis für hochqualitative Luxusgüter zu installieren, (vgl.:S. 54). Sie stellt ihre Schuhe von Hand her. Aufgrund ihrer venezianischen Netzwerke und ihrer Gabe zu viel Eigeninitiative, hat sie es geschafft, sich zu etablieren.


Die Autorin berichtet von Künstlern und Kunsthandwerkern, auch von einem britischen Buchhändler, den es nach Venedig verschlagen hat und von zwei Ruheständlern (er ist Künstler, sie Historikerin) für die das Leben in Venedig nicht bloß selbstverständliche Ästhetik bedeutet, sondern für die auch die Fülle der Farben, Formen, die Architekturen und der Details der Stadt wichtig sind, "die ihr Anlitz mit jedem Wetter und jedem Licht, mit jeder Tages- und Jahreszeit verändert", (vgl: 120).


Mit großem Interesse habe ich das Porträt des Chilenen Gaston Salvatores gelesen, der seit vier Jahrzehnten in Venedig lebt. Als junger Rechtsanwalt verließ der promovierte Jurist einst Chile und war enger Wegbegleiter Rudi Dutschkes. An seinem Schreibtisch in Venedig sind u.a. Werke wie "Hess" entstanden. Hier auch hat er gemeinsam mit Enzensberger an der gemeinsamen Zeitschrift "TransAtlantik" gearbeitet und hier schreibt er noch immer seine Dramen und Texte.


Der Dichter sieht sich als Komplize der römischen Oligarchie, weil er nichts dagegen tun kann, dass die Touristenmassen die Stadt fest im Griff haben und die Bevölkerung schwindet,(vgl:: S.144/145).


Bei allen kritischen Anmerkungen wird im Buch deutlich, dass Venedig etwas ganz Besonderes ist und Menschen, die diese Stadt zur Wahlheimat erkoren haben, von ihr zu kreativem Tun bewegt werden.


Empfehlenswert.

Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.



Rezension: Wo isst 2011 Österreich?

Dieser Gastronomieführer fokussiert die 1200 besten Wirtshäuser in Österreich, Friaul, Istrien, Slowenien, Südtirol und Westungarn. Gleich zu Beginn wird der "Wirt des Jahres 2011" Helmut Wiesinger porträtiert und man erfährt u.a., dass Aldo Sohm zum "Weinmensch des Jahres" gekürt worden ist. Das Abkürzungsverzeichnis, das dann folgt, sollte man sich gut merken, um all die Kürzel bei der Beschreibung der Restaurants und der Gasthöfe in der Folge sofort dechiffrieren zu können.

Das Verzeichnis ist untergliedert in:

Burgenland - Kärnten- Niederösterreich-Oberösterreich-Salzburg-Steiermark-Tirol-Voralberg-Kleiner Stiegl Bierkulturführer-Wien-Friaul-Sürtirol, Istrien-Slowenien-Westungarn, Weinguide-Register-Orte-Lokale-Winzer





Die Beschreibungen sind sehr gut. So lese ich von einem Avantgarde-Restaurant in Rust am Neusiedler See, das es geschafft hat, über die Jahre seinen Standard zu halten und mit immer neuen Ideen überrascht. Das "Inamera" sollten sich alle merken, die im östlichen Österreich das Besondere suchen und sich einer stattlichen Weinkarte gerne erfreuen.


Mir gefallen die vielen Gourmettipps im Buch, so auch von "Toni M`s Gourmetrestaurant", über das ich bereits in einer meiner Rezensionen nicht grundlos wohlwollend schrieb.


Das reich bebilderte Buch motiviert dazu, sofort die Koffer zu packen und all die schönen gastronomischen Betriebe aufzusuchen, die so plastisch beschrieben sind.


Mit großem Interesse habe ich mich in den Spezialteil des Buches vertieft, der die 300 besten Weingüter Österreichs auflistet und auch kurz beschreibt. Natürlich ist "Bründlmayer" auch dabei, dessen "Grünen Veltliner" ich besonders zu schätzen weiß. Jedes Weingut stellt einen "Wirthauswein" vor, bevor man mit einen kleinen Rebsortenkunde vertraut gemacht wird und nach einer Anzahl anderer erhellender Infos die 50 besten österreichischen Gerichte in Erfahrung bringen kann. Man erfährt in diesem Zusammenhang, welche Weine und welche Biersorten sich zu diesen Speisen eignen. Im Moment steht mir der Sinn nach einer "Neusiedler Fischsuppe" und einem Glas Welschriesling. Mal sehen, ob ein Heinzelmännchen mir Speis und Trank dieser Art kredenzt, währenddessen ich die beigefügte Landkarte studiere und im Klappentext in Erfahrung bringe, wo sich das Autorenteam besonders wohl gefühlt und wo es besonders gut gespeist hat. Wie ist sehe, ist das Ruster "Inamera" dabei.:-)) Offenbar habe ich den Wink mit dem Zaunpfahl begriffen.


Ein praktischer Ratgeber für kulinarisch interessierte Reisende.

© 2010 „Wo isst Österreich 2011“, Pichler Verlag

Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.


Rezension: Cool Escapes

In diesem Prachtband geht es nicht um Preise, sondern es geht um Träume, um Schönheit und Stil. Gezeigt werden 83 außergewöhnliche Refugien und Hotels, abseits ausgetretener touristischer Pfade. Im Index auf den letzten Seiten erfährt man Näheres zu diesen traumhaften Orten, allerdings erfährt man nicht, was der Aufenthalt dort kostet. Darin sehe ich keinen Mangel, denn bei diesem Buch handelt es sich nicht um einen Hotelführer, sondern um ein Märchenbuch für Erwachsene.:-)) Märchen können manchmal wahr werden. Das zeigen diese Beispiele.

Die wundervollen Fotos werden von erläuternden Texten Bärbel Holzbergs begleitet. Diese Texte sind in englischer, deutscher, französischer, spanischer und italienischer Sprache abgedruckt.


Die gezeigten Hotels befinden sich in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten, in Amerika, in Asien und dem Süd Pazifik. Es ist unmöglich auf alle Orte näher einzugehen, deshalb erlaube ich mir einige der schönen Stätten hervorzuheben.


Von den Hotels in Europa bin ich von dem "Castello del Nero" im Herzen des Chianti auf halben Weg zwischen Florenz und Siena besonders begeistert. Es handelt sich bei diesem Hotel um einen alten Adelssitz aus dem 12. Jahrhundert. Die bejahrten Terrakottaböden verleihen dem Ambiente, in dem edle Stoffe nicht fehlen, einen ganz speziellen Reiz.


An den Ausläufern des Luberon befindet sich "La Bastide de Marie". Dieses Refugium mit 15 Zimmern und Suiten hat sogar einen hauseigenen Weinberg. Die Zimmer sind überaus geschmackvoll eingerichtet. Gezeigt wird u.a. ein gusseisernes Himmelbett mit geschmackvollen Stoffen bezogen, das für eine romantische Stimmung sorgt und ein beinahe mittelalterliches Ambiete im Außenbereich. Palmen und eine sternförmige Lampe lassen den Eindruck entstehen, man sei um Morgenland angekommen.


Die "Bastide St. Mathieu" in der Nähe von Grasse ist ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, in deren Außenanlage Lavendel, behütet von einer steinernen Putte, blüht und sicher wunderbar duftet. Die Zimmer sind rustikal aber sehr geschmackvoll eingerichtet. Dort einige Tage zu verbringen, ist gewiss sehr erholend.


Die Außenanlage von "Cap Rocat" auf Mallorca beeindruckt mich, weil sie fast maurisch wirkt, zumindest abends durch ihr Lichterspiel. Die Zimmer sind sehr schlicht eingerichtet und laden durch ihre Farbwahl zum Verweilen ein.


Begeistert bin ich von enem Refugium in Cotas/Potugal. Es heißt "Quinta da Romaneira". Offenbar gibt man dort den Gästen Gelegenheit zu netten Stunden im Freien unter Olivenbäumen. Solche Plätze sind traumhaft gestaltet mit vielen sandfarbenen Kissen und einem Baldachin, der Halt im jeweiligen Olivenbaum findet. Hier in netter Begleitung ein Glas Wein zu trinken, muss paradiesisch sein.


Die Hotels in Marocco "Kasbah Tambot" und "Dar Ahlam" sind besonders märchenhaft. Ein wahr gewordener Traum scheint nicht zuletzt das "Oberoi Mauritius" auf Mautitius zu sein. Der Blick ins Freie von dem geschmackvoll eingerichteten Hotelzimmer aus, wirkt fast surreal, wie aus einer anderen Welt. So schööööön!


Das "Saruni Samburu" in North Kenia lohnt es gewiss aufzusuchen. Dort kann man von einem Außensitz aus, die kenianische Landschaft und ihre Tierwelt betrachten und das von einem Himmelbett aus. Der Strand unweit von der "Beguerra Lodge" in Mozambique ist so weiß, wie ich selten einen Strand gesehen habe. Im Hotel dominieren Orangetöne und bilden einen wunderbaren Kontrast am Strand, wo die Gäste unter orangefarbenen Sonnensegeln das Meer genießen können.


Es ist unmöglich all die schönen afrikanischen Hotels zu benennen. Jedes einzelne ist es Wert gelobt zu werden.


Die Hotels in den USA haben ein oftmals sehr sachliches Ambiente. Sie sind edel und schön eingerichtet, treffen aber nicht meinen Geschmack. Ganz anders das "Varana" und das "The Tides Riviera Maya" in Mexiko. Solche Anwesen bleiben ewig in Erinnerung, weil sie alles bieten, was man sich an Außergewöhnlichem vorstellen kann. Wie schön muss es sein, inmitten all des tropischen Grüns in einer Hängematte zu liegen und das Ambiente in sich aufzunehmen.


Das "Cocos Hotel" auf Antigua würde ich vermutlich nie mehr verlassen, wenn ich mich dort hin begeben würde. Es ist im Grunde relativ einfach eingerichtet, aber der Blick aufs Meer ist kaum zu übertreffen. Im Regenwald Costa Ricas liegt die "Pacuare Lodge". Hier im Himmelbett zu ruhen und den Geräuschen des Regenwaldes zu lauschen, dürfte einer Erinnerung an das verlorende Paradies sehr nahe kommen.


Es folgen weitere schöne Impressionen von Traumhotels in aller Welt. Unmöglich, all diese zu benennen. Sehr angetan bin ich von "The Nam Hai" in Vietnam, weil es eine unendliche Ruhe ausstrahlt und durch schlichte Eleganz beeindruckt. Die Außenanlage mit den gepflegten Palmen am Swimming-Pool, der sich ins Meer zu ergießen scheint, ist fantastisch.


Hotelimpressionen wie diese sind für Menschen gedacht, die sich am Schönen erfreuen wollen und sich die Sachinformationen anschließend im Internet besorgen. Zahlen stören bei solchen Anblicken. Ganz klar.


Ein wirklich gelungener Bildband mit traumhaften Fotos.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.




Rezension:Das Hawelka: Geschichte & Legende (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch thematisiert eines der ältesten Künstlercafés Österreichs: das Café Hawelka. Eröffnet wurde es 1939 von Leopold und Josefine Hawelka. Dieses Café befindet sich noch immer im Familienbesitz. Die einzelnen Generationen und ihr Wirken vor Ort werden gut ausgeleuchtet.

Man erfährt zu Beginn Näheres über den Ursprung der Kaffeehauskultur und hier beispielweise, dass das erste Kaffeehaus der Welt eine kühle, unpersönliche Säulenhalle war. Das traditionelle Wiener Zeitungscafé und sein Ambiente kommt ebenso zur Sprache wie der "Sessel Nr. 14" aus der Thonet-Sammlung, der ein nicht hinwegzudenkendes Requisit der Hawalek`schen Bühne darstellt. Eine Besonderheit der Räumlichkeiten liegt in einer unveränderten Innenausstattung. Entworfen wurde diese von einem Schüler des Jugendstilarchitekten Adolf Loos. An den Wänden des Cafés kann man Bilder der Gäste bewundern, so etwa Gemälde von Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner.


Zur Sprache kommen die Unterhaltungsmöglichkeiten im Wiener Kaffeehaus, wie etwa das Billardspiel. In den Fokus gelangt ferner aber auch das Interesse der geistigen Elite am Kaffeehaus, die nicht selten individuelle Stammgastkreise bildeten. Arthur Schnitzler, Peter Altenberg, Hugo von Hoffmansthal und Karl Kraus liebten diese Atmosphäre, aber auch die Damen von Adel hielten sich sehr gerne in Kaffeehäusern auf, um zu plaudern, vor allem aber, um die klassischen Kaffeevariationen zu genießen.


Im Buch werden verschiedene Kaffee-Eigenkreationen des Hawelka aber auch klassische Kaffeevariationen aufgelistet und es wird darüber berichtet, wie der Ober die akrobatischen Leistungen vollbringt, mit bis zu fünf beladenen Silbertabletts durch die schmalen Gänge zu jonglieren. Man liest von der Entwicklung des Hawelka in der Nachkriegszeit und wie es sich in den 50er Jahren zum beliebten Treffpunkt für Kritiker, Schriftsteller und Künstler entwickelte. Zum Kaffeehausadel zählten übrigens auch Oskar Werner und André Heller. Georg Danzer nannte das Café Hawelka "seine unsterbliche Heimat" und widmete ihm ein Lied. Der Text von "Jö schau" ist im Buch abgedruckt.


Sehr interessant sind die Kurzbiographien, im Rahmen des Gästebuchs. Heimito von Doderer, der Maler Ernst Fuchs, Friedensreich Hundertwasser, Helmut Qualtinger gehörten zu den Gästen. Man braucht keine Phantasie, um zu erahnen, wie kurzweilig und intellektuell ergiebig die Gespräche sich zumeist entwickelt haben werden.


Was gibt es Schöneres als eine gepflegte Konversation in einem Kaffeehaus?


Ein empfehlenswertes Buch, hübsch illustriert, mit vielen Fotos.



Rezension:Historische Cafés in Europa (Gebundene Ausgabe)

Adonis Malamos ist der Besitzer eines Cafés in Mannheim. Im Laufe der Jahre ist der gebürtige Grieche durch dreizehn Länder gereist, um die schönsten historischen Cafés und Kaffeehäuser kennenzulernen und sich einen umfassenden Überblick über die Kaffeehauskultur zu verschaffen. Neben der jahrhundertealten Geschichte und Tradition interessieren ihn auch die Architektur und die Gäste dieser schönen Aufenthaltsorte. Den Leser erwarten 200 bemerkenswerte Fotografien und hochinformative Texte zu den von Malamos besuchten Cafés und Kaffeehäuser.

Fokussiert werden u.a. das "Le Cirio", eines der ältesten Cafés in Brüssel, dessen Interieur im Jugendstil gehalten ist und dessen Spezialität des Hauses neben dem obligatorischen Kaffee das "Half an half", eine Mischung aus Champagner und Weißwein ist. Man lernt das "Falstaff" kennen, ein weiteres Brüsseler Café, in dem sich angeblich der Chansonnier Jacques Brel mit Vorliebe aufgehalten hat und dessen optische Besonderheit die mit Glasmalerei dekorierten Fenster sind. Das dritte Café in Brüssel, das man aufsuchen sollte, ist das "Café Metropole". Es ist im Art Déco -Stil gehalten. In dieser schönen Atmosphäre hielten sich einst Marie Curie, Albert Einstein, Arthur Rubinstein und Enrico Caruso auf.

In Berlin lernt man das "Café Einstein", Zweigstelle unter den Linden kennen. Die Besonderheit des Hauses besteht in einer angeschlossenen Galerie. Dort werden die Fotoarbeiten von Dennis Hopper, Wim Wenders und Helmut Newton gezeigt, ferner finden dort auch Lesungen statt. Das "Café Opernpalais" Unter den Linden steht in der Tradition Wiener Kaffeehäuser. In Dresden lernt man dann u.a. das "Italienische Dörfchen" kennen und in Frankfurt "Wacker`s Kaffee". Hier kaufte Goethe bereits seine Milch. Damals war es noch ein Lebensmittelgeschäft. Mittlerweile ist es ein Feinkost- und Kaffeegeschäft mit eigener Kaffeerösterei und Probierstube. Dort gibt es den besten Kaffee in Frankfurt. Ich bin ein Fan von Wacker. Sehr schön ist das "Literaturhaus Café" in Hamburg und das Leipziger Haus "Zum Arabischen Coffe Baum", das zu den ältesten kontinuierlich betriebenen Café-Restaurants Europas zählt. Bemerkenswert ist die Sandsteinplastik über dem Portal, die seit 1720 als Haus- und Gewerbezeichen dient. Gott Amor wird seitens eines Osmanen eine Tasse Kaffeè überreicht. Hierdurch wird die Übergabe des Kaffees als Geschenk des Orients an den Okzident symbolisiert. "Schuhbecks Orlando" in München kommt zur Sprache und das "Café Prag" in Schwerin. Durch das Freilegen einer alten Wandmalerei kam dort eine Stadtansicht von Prag zum Vorschein, die dem Café 1991 den Namen gab.

... und dann die Cafés in Paris "Les deux Margot" ist wohl eines der bekanntesten Cafés in der Nähe des Boulevard Saint - Germain. Hier trafen sich einst berühmte Literaten, Künstler und Intellektuelle. Im "Café de Flore" in Paris waren Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir regelmäßige Gäste und im 2. Weltkrieg war es der Treffpunkt der Résistance. Viele andere Cafés in Paris werden außerdem thematisiert, leider können sie an dieser Stelle nicht alle zur Sprache gebracht werden.

In Bergamo in Italien muss man das "Caffé del Tasso" besuchen und in Florenz das "Caffé Pasticceria Gilli". Dieses Café wurde schon 1733 gegründet und gilt seit seiner Eröffnung als eines der elegantesten Cafés und Treffpunkt für Intellektuelle. Das "Caffé Zucca in Galleria" ist eine Mailänder Institution mit Jugendstil - Dekor und war Treffpunkt für Verdi und Toscanini nach den Aufführungen in der Mailänder Scala. Beeindruckend auch ist die "Pasticceria Sandri", die in Perugia 1860 von einem Schweizer Konditormeister eröffnet wurde.

Viele Cafés erwarten den Leser in Rom. Ich erwähne an dieser Stelle nur das "Caffé Greco", eines der letzten Künstlercafés an der Spanischen Treppe, zu dessen Stammgästen Goethe, Wagner, Mendelssohn, Stendhal, Liszt und Casanova zählten. Ein Ort, den man ebenso besuchen muss, wie das "Caffé Florian" in Venedig, das 1770 in den Arkaden des Markusplatzes eröffnet wurde und zu dessen Gästen ebenfalls Goethe und Casanova zählten. Die Bilder von der Einrichtung überzeugen sofort.

Lesenswert ist der vierseitige Bericht zur europäischen Kaffeehauskultur inmitten der vielen Fotos, der deutlich macht, dass ein Bestandteil dieser Kultur Literatur und Intellektualität war und ist.

Cafés in Salzburg werden gezeigt und dort natürlich auch das legendäre "Café Tomaselli" und es wird ein Augenmerk auf die vielen Cafés und Kaffeehäuser in Wien gelegt, wie etwa das "Café Frauenhuber", das als eines der ältesten Kaffeehäuser der Stadt gilt. Hier musizierten einst Mozart und Ludwig van Beethoven. Im 14. Jahrhundert befand sich in dem Gebäude die so genannte "Badestube bei der Himmelspforten". Das "Cafè Hawelka" in Wien ist übrigens eines der legendärsten Künstlercafés in Österreich.

In Krakau sollte man wohl das "Café Noworolski" besuchen, das sich im Gebäude der Tuchhallen befindet, einem Renaissancebau in der Krakauer Altstadt. Von Polen reist man dann am besten gleich nach Lissabon, um das "Café a Brasileira" zu inspizieren, das zu den ältesten und bekanntesten Häusern Portugals zählt. Der Poet Fernando Pessoa war dort Stammgast. Von Lissabon nach Zürich ist es nur ein Katzensprung. Dort muss man das "Café Sprüngli" besuchen, bevor man in Barcelona im "Café de l`Opera" das Jugendstil- Interieur bewundert von dort nach Prag reist, um im "Café Louvre" die schöne Atmosphäre zu genießen und sich schließlich für immer im "Café New York" in Budapest niederzulassen. Die Gestaltung des Innenraums erinnert an barocke Kirchenräume, ideal also, um von dort aus irgendwann die Reise in den Himmel anzutreten.

Die Texte des gebürtigen Ungarn Imre Török und Christphe Klimmers   habe ich  sehr gerne gelesen Ausdrücklich empfehle ich  den Essay "Tagträume im Kaffeehaus" von Imre Török, mit dem die Reise durch die Caféhäuser ihren Anfang nimmt.

Ein tolles Buch.

Empfehlenswert.

Helga König
https://editionpanorama.com/
Überall im Handel erhältlich.

Rezension:Eine kulinarische Entdeckungsreise durch das Allgäu: Den Bregenzerwald und das Kleinwalsertal (Gebundene Ausgabe)

Das Autorenteam Carmen und Thomas Nehm sowie die Fotografen Yves Hebinger und Christian Schneider nehmen die Leser mit auf eine kulinarische Reise durch das Allgäu, den Bregenzer Wald und das Kleinwalsertal. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Präsentation guter Restaurants in diesen Regionen. Diese werden alle mehr als nur zufriedenstellend beschrieben, zudem warten einzelne Köche mit einem leckeren, oft regionalen Rezept auf. Diese sind alle bestens erklärt und lassen sich problemlos nachkochen.

Man lernt gute Bäckereien, Käsereien, Brauereien, Brennereien, Metzgereien, sogar einen Fischzuchtbetrieb näher kennen und wird auf schöne Orte, Landschaften und Sehenswürdigkeiten hingewiesen. Zwecks Orientierung, kann man sich eingangs in eine Landkarte vertiefen. Die Zahlen dort sind identisch mit den Seitenzahlen der einzelnen Betriebe im Buch und bezeichnen die Lage im Allgäu. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, nicht zuletzt, weil ich seit meiner Studienzeit nicht mehr in dieser Region war. Damals, in den Sommersemesterferien 1977 trampte ich mit einem befreundeten Studenten im Allgäu umher. An diese Reise denke ich mit großem Vergnügen zurück, während ich jetzt die Rezension schreibe.....

Urkundlich erwähnt wurde das Allgäu erstmals 817; die Herkunft des Namens steht vermutlich im Zusammenhang mit den Alpen, wie die Almen im Allgäu bezeichnet werden, und mit dem Geäu, also der Vielzahl von Auen. Die Gastfreundschaft der Allgäuer schätzten die Römer bereits, die dort die heilenden Schwefelquellen entdecken. Seither strömen die Menschen ins Land, um Linderung und Inspiration gleichermaßen zu erfahren. Bis ins Mittelalter zurück reicht die Geschichte vieler Gasthäuser, mit traditionsbewussten Wirtsfamilien, die die bodenständige Allgäuer Küche pflegen und verfeinern.

Die Autoren untergliedern ihr Buch in:
Das Westallgäu: Vom Bodensee bis in die Höhen des Bregenzer Waldes
Käsestrasse Bregenzerwald
Das Oberallgäu und Kleinwalsertal: Der Wald der Berge
Oberstaufen: Vital-Ort am Fuße des Hochgrat
Kleinwalsertal
Das Unterallgäu: Liebliches Kneippland
Die Kneippstatt Wörishofen
Das Ostallgäu: Land der Schlösser und Seen
und Füssen

Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension auf alle Beiträge im Buch einzugehen. Hervorheben möchte ich den Bericht über die Käsestraße Bregenzerwald. Im Bregenzerwald leben derzeit etwa 30 000 gastfreundliche Menschen in ursprünglichen Dörfern mit bäuerlicher Tradition und einer sehenswerten Mischung aus alter und neuer Architektur. Nicht wenige Bauernhöfe stammen noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert und zeigen in der Region einzigartige holzgeschindelte Fassaden.

Die Barockmalerin Angelika Kaufmann stammte aus einer Schwarzenberger Familie. Das Museum in Schwarzenberg zeigt eine bemerkenswerte Auswahl ihrer Werke und vermittelt Wissenswertes zu ihrem Leben. Die Käsestrasse stellt übrigens einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der bäuerlichen Strukturen des Tals dar. 16 Dorfsennereien erzeugen pro Jahr 4500 Tonnen Käse im Bregenzer Wald. 1100 Milchbauernfamilien liefern die Rohmilch in diese Sennereien. 30 Käsesorten werden im Bregenzer Wald produziert. Der preisgekrönte Rohmilch-Emmentaler ist die bekannteste Sorte. Mit großem Interesse habe ich das Rezept für "Bregenzwälder Raclette" gelesen. Hier spielt neben Käse Schweinskarree eine nicht unbedeutende Rolle.

Bemerkenswert auch ist der Bericht über eine Käseküferei und das Wirken in der "Bergkäserei Schopperneu GmbH". Oberstaufen, der Vital -Ort am Fuße des Hochrat ist gewiss eine Reise wert. Es handelt sich hierbei um das einzige "Schroth-Heilbad" Deutschlands. Die von Johann Schroth 1829 entwickelte Kur macht es offenbar möglich, dass der Körper entgiftet wird und Heilung von Zivilisationskrankheiten wahrscheinlich ist.

Oberjoch sollte man auch besuchen. Dieser Ort liegt 1200 Meter über dem Meeresspiegel. Das Reizklima dort soll auf Seele und Körper ausgleichend wirken. Dass das "Hotel Laning Resort und Spa" vor Ort Wellness zur Lebensphilosophie gemacht hat, ist erfreulich. Das vom dortigen Koch kredenzte Rezept "Lammrücken mit Kräutern im Heubett" überzeugt. Haben Sie liebe Leser schon mal im Heu geschlafen? Eine solche Erfahrung sollte man sich in jungen Jahren gönnen. Wenn das Allgäuer Heu frisch ist, pickst es nicht.

Sehr zu sagt mir das "liebliche Kneippland". Die Restaurants dort überzeugen, durch eine sehr delikate Küche. "Erolzheimer Saiblingröllchen mit Basilikum -Ricottafüllung und Zucchini- Tomatenragout", "Forellenfilet mit Hummersößle auf grünen Tagliatelle", auch "Fein gefüllter Bachsaibling mit Grünkern auf Peperonisauce" sprechen für sich.

Die Kneippstadt Bad Wörishofen sollte man aufsuchen. Den Bericht über die Kneipp- Werke lohnt es zu lesen. Hier werden die 5 Säulen der Lehre Pfarrer Kneips aufgezeigt: Wasseranwendungen, Heilpflanzen, Bewegung, gesunde Ernährung und die rechte Ordnung im Innen und Außen.

Eine Kombination aus Entspannungsurlaub, klassischer Therapie und natürlichen Heilmitteln, hochwertigem Wellness-Angebot und hochqualifizierten medizinischen Maßnahmen in stilvollem Ambiente haben dem Kurort zu Weltruhm verholfen. Natürlich muss man Füssen besuchen, das Kloster Mang und die Schlösser Hohen-Schwangau, auch Neuschwanstein. König Ludwig ist im Ostallgäu allgegenwärtig. Das machen die Autoren unmissverständlich klar.

Das Rezept der "Bayerischen Creme" verrät der Koch des Hotels Müller in "Hohenschwangau". Ideal schmeckt sie in Verbindung mit Erdbeerpüree. König Ludwig soll diese Creme geliebt haben. Er fand im Süßen nicht selten Trost.

Bilder und Texte lassen Reiselust aufkommen.

Rezension: Die Welt von gestern in Farbe: Bayern

Herausgeber dieses sehr schönen Bildbandes ist Christian Brandstätter. Das Buch enthält 306 Abbildungen nach handkolorierten Glasdiapositiven und Farb-Photochromen. Die Bilder sind zwischen 1890 und 1910 entstanden. Dargestellt ist die längst versunkene Welt des Königreichs Bayern und zwar in den Farben jener Tage.

Der Bilderreigen ist eingeteilt in: Oberbayern, Niederbayern, Schwaben, Landeshauptstadt München, Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken. Wolfgang Till erläutert in knappen Worten jedes einzelne Foto. Abgelichtet ist die bayerische Landschaft, die alten Städte und die Menschen aus längst vergangener Zeit.

Die Bilder strahlen viel Ruhe aus. Man erlebt die Gegend als touristisch noch nicht erschlossen. Die Frauen tragen noch lange Röcke, viele der abgelichteten Personen haben Trachten an. Die Kleidung ist dezent, keiner trägt schrille Farben.

Orte wie Mittenwald kann man mit heute nicht vergleichen. Die Straßen sind nicht bepflastert, überall gibt es Sandwege, auch in Berchtesgaden. Selbst die Orte am Starnberger See strahlen Ruhe und Beschaulichkeit aus. Auf den Seen sieht man nur hin und wieder Fischerboote. Die Schlösser wirken weniger protzig, weil sie, wie auch alle Häuser der Städte, nicht renoviert sind.

Da ich viele Orte in Bayern kenne, habe ich mit großer Neugierde die Fotos begutachtet. Nur München hat etwas Modernes, alle anderen Städte wirken mittelalterlich.

Die Bomben des 2. Weltkrieges haben viele der abgelichtenen Häuser in München, Ulm, Augsburg, Nürnberg und Würzburg zerstört. Nicht wenige wurden nicht mehr aufgebaut.

Neben den erklärenden Texten von Wolfgang Till kann man immer auch kleine Texte aus jenen Tagen als die besagten Häuser noch existierten von Karl Baedeker und seinen Kollegen lesen. Diese Texte finde ich aufschlussreich, weil sie mir verdeutlichen, wie man damals Schönheit wahrgenommen hat.


Ein Foto zeigt die Ludwigsstraße in München. Die Menschen um 1900 gehen auf der breiten Straßen spazieren. Nur ein paar Fuhrwerke sieht man dazwischen. Sehr beeindruckend.

Den Anblick von Rothenburg ob der Tauber fand ich besonders interessant, weil die Häuser noch nicht im Zuckerbäckerstil aufgemotzt sind, sondern mit mittelalterlicher Authentizität aufwarten.Beeindruckend sind auch die Fotos von Nürnberg, nicht zuletzt weil diese Stadt im letzten Krieg viel von ihrer alten Bausubstanz einbüßte. Nürnberg zählte wohl zu einer der schönsten Städte im Land.


Die Fotos im Buch sind ein Zeugnis dafür, dass auf Erden nichts von Bestand ist.


Empfehlenswert.



Rezension:Venedig. Eine Verführung. Oasen für die Sinne (Gebundene Ausgabe)

Hanns -Josef Ortheil hat sich im Laufe von drei Jahrzehnten immer wieder in Venedig aufgehalten. Auf diese Weise hat er allmählich Facetten der Stadt kennen gelernt, die einem Drei-Tage-Besucher eventuell verborgen bleiben. Der Autor besitzt die Freundlichkeit seine Kenntnisse nicht für sich zu behalten, sondern sie dem interessierten Leser in wohlgesetzten Worten mitzuteilen. Wie für einen genußfreudigen und kunstinteressierten Zeitgenossen ein Tag in der Lagunenstadt aussehen könnte, erfährt man in dem vorliegenden Text, der sich in jeder Beziehung von den üblichen Reiseführern unterscheidet und doch einen Reisenden unterhaltend begleiten möchte.

Schon frühmorgens rät Ortheil zu einem Spaziergang auf den Fischmarkt, um die Früchte des Meeres zu bestaunen, deren salzigen Duft in sich aufzunehmen und zu sehen, was venezianische Hausfrauen umtreibt. Ein Gang in eine der vielen Kirchen, zur Frühmesse vielleicht, vermittelt einen Eindruck hinsichtlich der jahrhundertealten Verbundenheit der Einwohner mit Gott. Dabei erinnert der Romancier daran, dass Venedig von alters her in Kirchenbezirke eingeteilt ist. Von Sakralkunst ist die Rede und von Kirchengemälden, wie etwa von Tinterettos " Hochzeit von Kana". Dann spricht der Genießer von den vielen kleinen Bars, in welchen man sich für eine Weile aufhält, um ein winziges Glas Wein zu trinken und " Tramezzini" oder "Crostini" zu verspeisen. Was das im einzelnen ist und wie der köstliche Belag, so etwa "Peara" oder "Peverada", zubereitet wird, verrät Ortheil dem Leser ebenso gutmütig, wie viele andere lokale Rezepte, so etwa "Seppioline alla veneziana", "Tartufi di mare", "Risotto al radicchio rosso" oder das einer einfachen "Zuppa di lenticchie". Offenbar ist der Autor ein routinierter Topfgucker! Der Italienliebhaber kennt die venezianischen Familienpaläste von innen und beschreibt deren Ausstattung, um später dann durch die "Künstler und Literatenzone" zu schlendern.


Im 16 Jahrhundert, so erfährt man, war Venedig die Stadt des Buchdrucks. Nirgendwo wurden so viele Bücher produziert, wie in dieser Stadt. Ach ja, und von Denkmälern spricht Ortheil begeistert. Das Denkmal des größten Theaterdichters Venedigs "Goldoni" hat es im angetan. In seinen Augen ist es das schönste in der Stadt. Schön aber auch sind die Nachmittagsbesuche, etwa in der legendären "Harry`s Bar", wo sich einst Hemingway aufhielt und der Besitzer Giuseppe Cipriani zahlreiche illustre Gäste mit "Bellini" bewirtete. Das ist lange her, aber die eigentliche spektakuläre Zeit der Stadt liegt viel länger zurück. Casanova lebte in jenen Tagen und die adeligen verheirateten Damen erfreuten sich des Charmes ihres persönlichen "Cicisbeo", eines jungen, männlichen Begleiters, der ihnen, währendessen der Gatte seinen Geschäften nachging, nicht nur beim Ankleiden half.


Eine empfehlenswerte Lektüre, vielleicht gerade für Personen, die Venedig im Winter kennenlernen möchten.


Rezension: Zeit für Moskau: Die geheimnisvolle Metropole entdecken und genießen (Broschiert)

Die Autorin Ulrike Gruska und der Fotograf Olaf Meinhardt, der 1996 erstmal Russland auf einer Fahrradweltreise durchquerte, haben dieses hochinformative und dabei sehr schöne Buch "Zeit für Moskau" realisiert. Mit dem Untertitel des Buches "Die geheimnissvolle Metropole entdecken und genießen" wird nicht zu viel versprochen.

Bevor ich mich in die Texte vertieft habe, betrachtete ich mir zunächst ausgiebig die vielen schönen Fotos, um eine visuelle Vorstellung von dieser Stadt zu erhalten. Mich haben nicht nur die alten Paläste, wie der Kremlpalast beeindruckt, sondern auch die Moskauer Metro, die einem unterirdschen Palast gleicht. Stuckdecken und Lüster sorgen dort für eine surreale Atmosphäre. Ich hatte zuvor von dieser unterirdischen Pracht noch nie gehört und begann sofort im Begleittext zu lesen. Der Bau stammt nicht, wie ich zunächst vermutet habe, aus der Zarenzeit, sondern geht auf die Sowjetführung zurück, die in den 1920er Jahren beschlossen hatte, die "schönste Metro der Welt" zu erbauen. Am 15. Mai 1935 wurden dann die ersten 11 Kilometer Strecke mit 13 Stationen freigegeben.

Sehr imposant auch ist der Frühstücksraum im Ritz-Carlton, die vielen alten, bunten Zwiebelkuppeln in der Stadt, die kostbaren Ikonen im Danilowkloster, die fotografisch festgehalteten Eindrücke vom Moskauer Nachtleben, die Marmorsäulen und Mosaikfußböden in den Sanunow-Bädern, die Herrenhäusern in Kuskowo und Ostankino, die Sommerresidenz Katharinas der Großen in Zarizyno aber auch das Künstlerdorf und das Kloster in Sergijew Possad.

Das Buch ist in sechs Kapitel untergliedert, die wiederum in einzelne Unterkapitel aufgeteilt worden sind. Man lernt u.a. den "Roten Platz" näher kennen, der wie kein anderer Ort die Tragödien und Triumphe Russlands symbolisiert. Gruska berichtet Wissenswertes über diesen Ort und nennt die wohl beste Übernachtungsmöglichkeit- das Hotel Baltschug Kempinski-, auch zwei gute Adressen, wo man exzellent speisen kann und einen Insidertip für neugierige Touristen am "Roten Platz". Auf diese Weise geht die Autorin Kapitel für Kapitel vor, so dass man bestens vorbereitet, Moskau entdecken und genießen kann.

Natürlich ist es interessant, sich in die Kunst des Kremls zu vertiefen, mich hat allerdings der Moskauer Jugendstil weitaus mehr interessiert. Glanzstück dieses russischen Jugenstils ist die Villa Rjabuschinski in der Malaja Nititskaja. Gruska schreibt ausführlich über diese Villa. Ebenso ausführlich schreibt sie über die Kirchen und Klöster in jedem Winkel der Stadt, die für meinen Geschmack einen teilweise etwas zu farbenfrohen, neuen Anstrich erhalten haben. Man erfährt von all dem Glanz, der einem begegnet, wenn man eine russisch-orthodoxe Kirche betritt und liest von den Ikonenmalern, die im mittelalterlichen Moskau hochgeschätzte Persönlichkeiten waren.

Besonders lobend erwähnen möchte ich den Beitrag im Hinblick auf die Oper und das Ballett. So liest man u.a., dass die Konzerte im Konservatorium nicht bloß wegen der ausgezeichneten Akustik ein Genuss sind, sondern auch aufgrund der feierlichen Würde, die das Haus ausstrahlt. Man liest weiter von Ballettaufführungen und hier von Tschaikowskis Kompositionen, auch von der meistgespielten russischen Oper "Eugen Onegin" nach dem gleichnamigen Versroman Alexander Puschkins, bevor man mit dem reichen Erbe der Moskauer Kunstsammler vertraut gemacht wird.

Gelungen auch ist das Kapitel über Moskaus Literaten. Puschkin, Tolstoi und Tschechow kommen zur Sprache. Bulgakows "Der Meister und Margarita", der der Klassiker unter den Moskau-Romanen ist und den ich vor einiger Zeit mit Begeisterung las, aber nicht rezensiert habe, möchte ich an dieser Stelle aber doch empfehlen.

Über die russische Küche habe ich drei Kochbücher rezensiert und finde, dass es der Autorin vortrefflich gelungen ist, die wesentlichen Merkmale dieser Küche auf sieben Seiten zusammen zu fassen. Ich streife übrigens in der Rezension nicht alle Kapitel, weil dies den Rahmen sprengen würde. Erwähnen möchte ich aber noch den ehemaligen Zarensitz am steilen Ufer der Moskowa. Der märchenhafte Holzpalast existiert zwar nicht mehr, aber ein Park mit uralten Bäumen und traditionellen Blockhütten, majestätischen Kirchen und Türmen. Die Moskauer lieben diesen Ort, um zu picknicken.

Auf den letzten Seiten wartet die Autorin mit vielen Reisetipps und Adressen auf, nennt Architekturdenkmäler und weist auf Möglichkeiten hin, wie man in Moskau einen kulturell erfreulichen Abend verbringen kann. Das Bolschoi-Theater ist eine Möglichkeit. Es werden des Weiteren Literaturtipps gegeben. Neugierig hat mich der Hinweis auf Rybakows Roman "Die Kinder von Arbat" gemacht, den ich auf meine Leseliste gesetzt habe.


Ein tolles Buch.


Rezension: Von Brügge nach Gent. Eine Reise durch Flandern (Gebundene Ausgabe)

Brigitte Doppagne nimmt den Leser mit auf ihre kurzweilige Reise durch Flandern und erweist sich als eloquente, interessant erzählende Begleiterin. Mancherlei erfährt man über die alten Hansestädte Brügge und Gent; so streift die Autorin historische Fakten, wartet mit kleinen Anekdoten auf und haucht auf höchst subtile Weise dem Gestern Leben ein.

Wir lesen von Malern, wie etwa van Eyck, Bosch, Breughel, Memling aber auch Dürer, die zu Zeiten der burgundischen Herrschaft auf Tuchfühlung gingen mit den alten Tucherstädten, nicht zuletzt der Mäzene wegen, vermutet man. Man liest von frühen tragischen Ende Maria von Burgunds, der Gattin des späteren deutschen Kaisers Maximilian des I. und auch Karl der V. bleibt nicht unerwähnt. Die genannten Personen und ihr Hofstaat brachten den Glanz nach Flandern, der noch heute mit dem Begriff "burgundische Lebensart" umschrieben wird. Diese macht, so Doppagne, einen Aufenthalt in jenem Gebiet Belgiens zu einem lukullischen Hochamt. Ein Kapitel widmet die Autorin der belgischen Schokolade, lässt dabei Cortes nicht unerwähnt, der den Kakao aus Mexiko nach Europa brachte und setzt Jean Neuhaus, dem Erfinder des gaumenklitzelnden "belgischen Bonbons" ein kleines literarisches Denkmal. Er begründete, so erfährt man " Schlaraffia in Flandern", das gefährliche Terrain, auf dem die Glückshormone - für eine kurze Weile- zu Kapriolen fähig sind.


Dann jedoch gilt es sich erneut zu bewegen, zum Meer hin oder zu den zahllosen Wasserschlössern in der näheren Umgebung, sich dabei mit der Botanik zu befassen und nicht zuletzt ein Augenmerk zu legen auf den nicht selten kunstvoll in Form gebrachten Buchs, mit dem man in früheren Zeiten wohl alles Bunte und Schöne umsäumt hat. Schloss Ooidonk, nicht weit entfernt von Gent, möge man besuchen. Dort nämlich lebte Graf Egmont, den Goethe in seinem gleichnamigen Trauerspiel verewigt hat. Egmont kämpfte um die Abschaffung der Inquistitionsgerichte und wurde deshalb auf Geheiss Philipps von Spanien hingerichtet.


Die spanische Schreckensherrschaft führte dazu, dass die Intellektuellen und die Kreativen aus Flandern nach Amsterdam flohen und in der Folge die Region in dieser Zeit zur Provinz verkam. Erst Jahrhunderte später wurde diese Gegend neu entdeckt, von Künstlern und Schriftstellern, wie etwa Marcel Proust und Victor Hugo. Im letzten Jahrhundert dann, zu Zeiten der Nazis, wurde Flandern zum Zufluchtsort für viele Andersdenkende, unter ihnen waren Einstein, Zweig, Roth, Keun und Kisch. So ist alles im Fluss und es bleibt abzuwarten, was kommen wird. Für den neugierigen Leser dieser wirklich guten Lektüre wird gewiss etwas Erfreuliches kommen, ein "Highlight" nämlich, eine Reise nach Flandern.


Rezension:Bildschönes Franken (Gebundene Ausgabe)

Hans-Peter Gutmann stellt anhand einer Fülle pittoresker Fotografien und kleinen Texten Franken vor. Namhafte Künstler wie Albrecht Dürer oder Lucas Cranach, die Bildhauer Tilmann Riemenschneider und Veit Stoß, die Architekten Baltasar Neumann und Johann Dientzenhofer sowie die Poeten Hans Sachs und Jean Paul haben in Franken gewirkt und ihre Werke hinterlassen.

Einige der abgebildeten Sehenswürdigkeiten habe ich schon besucht, so etwa Schloss Mespelbrunn. Dieses Wasserschloss aus dem 15./16. Jahrhundert skizziert der Autor mit wenigen Worten sehr gut und macht den Leser neugierig alsbald dorthin zu fahren. Neugierde weiß Gutmann in all seinen Texten zu wecken. Die Fotos der fokussierten Orte sind so schön, dass man am liebsten alle Sehenswürdigkeiten des Kuturlandes Frankens sofort bereisen möchte.

Den Landschaftpark Schönbusch sah ich mit meinen Eltern als Kind. In der Grünanlage mit seinen Wäldern, Wiesen und Wasserflächen steht der rechteckige Kubusbau des frühklassischen Schlösschens Schönbusch und im Park verstreut liegen Pavillions, schreibt der Autor. Ich erinnere mich auch an einen Irrgarten, den ich als kleines Mädchen sehr abenteuerlich empfand. Gibt es den nicht mehr?

Es ist unmöglich auf all die Orte im Buch einzugehen. Gut gewählt sind die Ansichten von Miltenberg. Hier liest man auch, dass das "Schnatterloch", der Marktplatz in der historischen Altstadt mit seinen prächtigen Fachwerkhäusern seinen Namen von einem kleinen Durchgang zu einem Wehrturm hat.

Gefallen hat mir, dass man bei den Bildern von Würzburg das Treppenhaus der Residenz nicht vergessen hat. Man erhält sogar eine kleine Idee von dem Deckengemälde Tiepolos, das allein einen Besuch Würzburgs rechtfertigt.

Im Rahmen der bildlichen Präsentation Würzburgs hat man nicht vergessen auf die schönen Innenhöfe in der Stadt und in Mainfranken hinzuweisen, wo man während des Sommers Würzburger und fränkische Spezialitäten genießen kann.

In Volkach habe ich einmal ein Wochenende verbracht. Den Ort empfehle ich Wein- und Kunstliebhabern gerne. Schön, dass man eine Vorstellung von der spätgotischen Wallfahrtskirche inmitten der Weinberge dort erhält und auch von dem Gnadenbild "Maria mit dem Kinde und Engeln" von Tilmann Riemenschneider in diesem Kirchlein.

Iphofen und Sommerhausen sind bekannte Weinorte mit mittelalterlichem Flair, idyllisch auch ist Sulzfeld, dessen Häuser sich an den vollständig erhaltenen Mauerring mit heute noch bewohnten Türmen anschmiegen. Diesen Ort werde ich in Zukunft bestimmt aufsuchen.

Wolframs- Eschenbach, die Heimat von Wolfram von Eschenbach, dem Schöpfer des Parzival wird gezeigt und der Tilmann Riemenschneider-Altar in der Rothenburger Stadtpfarrkirche, der das bedeutendste Werk des Künstlers ist.

Orte wie Rothenburg und Dinkelsbühl sind einfach märchenhaft. Die Bilder sind mehr als nur einladend. Imposant auch ist das "Mühlreisghaus" im Fränkischen Seenland. Es handelt sich um ein Speicherhaus bei Spalt mit fünf übereinanderliegenden Trockenböden für das Trocknen des Hopfens.

Von Nürnberg erhält man einen guten Eindruck. Das Dürerhaus wird nicht vergessen. Dort lebte der Künstler von 1509 bis zu seinem Tod im Jahre 1528. Auch Bayreuth und Bamberg zeigen sich von ihren schönsten Seiten. Klein Venedig in Bamberg habe ich in guter Erinnerung. Es stimmt, die einstigen Fischerhäuser mit Holzgalerie sind sehr idyllisch.

Die Aufnahme der Veste Coburg ist sehr aufschlussreich, weil es eine Luftaufnahme ist. Coburg war bis 1918 Residenz der Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha.

Franken, so der Gesamteindruck, beeindruckt aufgrund der vielen Fachwerkhäuser wie ich sei ansonsten nur aus dem Elsass kenne. Franken ist insofern Romantik pur.

Ein gelungener Bildband

PS.: Die Texte sind in deutscher, englischer und französischer Sprache abgedruckt.

Rezension:Legendäres Paris (Gebundene Ausgabe)

Der Schriftsteller und Journalist der Pierre Pinelli und der Buchgestalter Marc Walter führen den Leser durch das Paris zu Ende des 19. bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der vorliegende Prachtband enthält hochinformative Texte, Aufnahmen und Postkarten von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, aber auch Auszüge aus Programmheften und Menükarten etc.

Eine Vielzahl von Zitaten berühmter Reisender und Parisliebhaber begleiten diese traumhaften alten Bilder.
Diese Zitate stammen von: Ernest Hemingway, Mark Twain, Simone de Beauvoir, Alphonse Daudet, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Louis Aragon, Francis Scott Fitzgerald, Henry Miller und vielen anderen.

Henry Miller schreibt beispielsweise um 1930: "Beim Gang durch die Straßen von Paris erinnern die Buchläden und Galerien unaufhörlich an das Erbe der Vergangenheit und das Fieber der Gegenwart. Ein zielloser Bummel durch ein kleines Viertel genügt oft, um eine solche Fülle von Gefühlen hervorzurufen, dass man von widerstreitenden Impulsen und Begierden gelähmt wird. In Paris braucht man keine künstlichen Stimulanzen, um kreativ zu sein. Die Atmosphäre ist mit Kreativität aufgeladen. Man muss sich sogar davor hüten, zu sehr stimuliert zu werden. Nach des Tages Arbeit findet man immer Erholung. Sie kostet fast nichts, nur den Preis einer Tasse Kaffee. Einfach dasitzen und das Gedränge der Passanten beobachten, das ist eine in Amerika nahezu unbekannte Form der Erholung."

Fünf Spaziergänge werden mittels kleiner Texte und vieler alter Bilder sehr gut beschrieben:

1) Das Herz von Paris - Von Pont Sully bis Concorde
2) Paris in seinem Glanz- Von Concorde bis Porte Saint-Denis
3) Die Viertel der Reichen- Von Champ- de- Mars bis Bois de Boulogne
4) Das linke Seineufer- Von Jardin des Plantes bis Denfert-Rocherau
5) Das volkstümliche Paris- Von Vincennes bis Saint-Onen

Die Bilder bezaubern alle. Ich sehe davon ab einzelne zu beschreiben, weil es dem Gesamteindruck nicht zuträglich wäre. Dieser Gesamteindruck zeigt, dass in dieser Weltstadt die Menschen in allen Zeiten liberaler zu leben verstanden als anderswo.

Stephan Zweig schreibt 1944: "In den vollgedrängten Studentenrestaurants des Quartier bekam man für ein paar Sous die leckersten Nichtigkeiten vor und nach seinem saftigen Beefsteak und noch dazu roten oder weißen Wein und baumlange Stangen köstlichen Weißbrots... Es musste ja nicht gerade der 14. Juli sein, dass nach Mitternacht ein paar junge Paare auf der Straße zu tanzen begannen, und die Polizei lachte dazu: Die Straße gehörte doch jedem!"

... und irgendwann liest man vom Café de Flore, in dem Apollinaire 1912 die literarische Zeitschrift "Les soirées de Paris" gründete und 1917 das Wort "Surrealismus" erfand.
Der Philosoph Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir ließen sich dort häuslich nieder. Das Cafe wurde übrigens zu Treffpunkt der Existentialisten.
Diesen Ort in Saint-Germain kann man heute noch immer aufsuchen. Man sollte dies nicht versäumen, denn die Atmosphäre ist unvergesslich.


Ein schönes Buch.