Der renommierte Fotograf Michael Runkel präsentiert in diesem Prachtband mittels eindrucksvoller Bilder und informativer Texte bedrohte Kulturen unserer Erde. 30 Jahre hindurch hat er die Erde bereist, dabei waren die anstrengenden, mitunter unbequemen, manchmal schwierigen Reisen jene, wie er bekundet, die seinen Blick auf Welt am stärksten prägten.
Besonders interessiert hätten ihn traditionelle Gemeinschaften, weil diese genau wüssten wie man in einer bestimmten Landschaft lebe, sprich, wann man weiterziehe, wann warte, wann man teile und wann man schweige. Diese Gemeinschaften könnten das Wetter, die Tiere, den Boden, das Wasser und die Jahreszeiten lesen. Besagtes Wissen würde im Gespräch, durch Beobachtung weitergegeben.
Michael Runkel hat den Wandel beobachtet, so etwa wie Rituale seltener oder eine Sprache weniger gesprochen werden. Die Menschen, die man in der Bilderwelt des Fotografen bestaunen kann, seien keine Überreste einer vergangenen Zeit, sondern Menschen, die in der Gegenwart lebten, mit allen Widersprüchen, Hoffnungen und Schwierigkeiten, die dazugehörten.
Mehr als 30 bedrohte Kulturen werden vorgestellt. Die meisten davon leben in Afrika, aber auch Kulturen in Amerika, im Pazifik, in Russland und in Südasien kommen zur Sprache. Auf beigefügten Karten sind die Regionen, wo diese Kulturen sich konkret befinden, eingezeichnet.
Neben beeindruckenden Fotos von den Menschen, der einzelnen Bevölkerungsgruppen werden stets sehr erhellende Informationen zu: Reise und Zugang; Klima und ökologische Bedingungen; politische und soziale Organisation; Glaube; Rituale und Traditionen; Ernährung; Abgeschiedenheit und äußere Einflüsse; Herausforderung und Gefährdung; einzigartiger Blickwinkel erteilt.
Darüber hinaus werden noch zahlreiche, wichtige Kurzinfos vermittelt.
Besonders beeindruckt haben mich die fröhlich wirkenden Wodaabe Fulbe-Nomaden bei ihrem Gerewol- Fest, deren Sinn für Ästhetik auf den Fotos unverkennbar zum Ausdruck kommt.
Faszinierend auch sind die Kamelkarawanen im Niger und dem Danaikil. Die Danaikil-Region zählt zu den heißesten dauerhaft bewohnten Regionen der Erde. Dass die Karawanen dennoch weiter existieren, hängt mit Bedingungen zusammen, die man im Buch nachlesen kann.
Unmöglich, im Rahmen der Rezension, Bildbeschreibungen von den unzähligen Fotos zu machen! Staunen ohne Ende ist angesagt. Die Vielfalt und das Einzigartigsein bestimmen die Botschaft des Werks, das den Betrachter wachrüttelt und verstehen lässt, warum es diese Vielfalt an Kulturen weiterhin geben muss, wenn unsere Welt nicht durch die Respektlosigkeit und Ignoranz an Schönheit und Wert verlieren soll.
Lebensweisen unterschiedlichster Art sind offensichtlich der Wille der Schöpfung. Wer sich an ihnen vergreift, sei es durch die Globalisierung, den Landraub und den Klimawandel, begeht ein Verbrechen mit unabsehbaren katastrophalen Folgen für uns alle.
Helga König


